Sumenia Academy · Training

Trainingsintensität verstehen.

Dieselbe Zahl kann bei zwei Menschen — und bei einem Menschen an zwei Tagen — etwas völlig anderes bedeuten.

31 Minuten Danach weisst du, warum Intensität kein Messwert ist, was Watt, Puls, Stoffwechsel und Empfinden jeweils zeigen, warum sie auseinanderlaufen — und wo im Körper sich wirklich etwas ändert.

Zwei Radfahrer treten 250 Watt. In beiden Dateien steht am Ende dieselbe Zahl.

Für die eine ist das ein Tempo, das sie lange halten könnte. Für den anderen ist es die Gegend, in der es bald eng wird. Dieselbe Leistung, zwei verschiedene Anstrengungen.

Und es braucht nicht einmal zwei Menschen. Derselbe Fahrer, dieselben 250 Watt — nach einer schlechten Nacht, in der Hitze, in der dritten Stunde: wieder dieselbe Zahl, wieder ein anderer Zustand.

Intensität ist keine einzelne Zahl. Sie hat eine absolute Seite — was geleistet wurde — und eine relative: was das für diesen Menschen an diesem Tag bedeutet. Leistung, Herzfrequenz, Stoffwechsel und Wahrnehmung zeigen jeweils eine andere Seite davon, und sie können auseinanderlaufen. Zugleich gibt es Übergänge, an denen sich das Verhalten des Körpers wirklich ändert — die verbreitetsten Zahlen zeigen sie nur nicht an.

Dieser Artikel geht diesen Satz Stück für Stück durch.

1 · Intensität ist kein Messwert

Die erste Schwierigkeit ist keine physiologische, sondern eine sprachliche.

Es gibt kein Gerät, das Intensität misst. Es gibt Geräte, die Watt, Puls, Tempo, Sauerstoffaufnahme oder Laktat messen — und aus diesen Grössen wird auf Intensität geschlossen.

Die massgebliche Übersichtsarbeit zum Thema formuliert das als Kernproblem: Häufigkeit, Dauer und Umfang vorzugeben sei einfach — man verändert die Zahl der Einheiten, ihre Länge oder die insgesamt geleistete Arbeit. Die Intensität vorzugeben sei dagegen komplex, und über Zuverlässigkeit und Gültigkeit der dafür benutzten Verfahren werde gestritten. Der Grund: Es fehle ein anerkannter Rahmen, um überhaupt zu beurteilen, ob ein Verfahren misst, was es zu messen behauptet.

Umfang ist ablesbar. Intensität ist erschlossen. Diese Asymmetrie erklärt fast alles, was in diesem Artikel folgt.

Intensität beschreibt, wie hart eine Belastung ist — im Unterschied dazu, wie lange sie dauert und wie oft sie stattfindet. Wie hart etwas ist, lässt sich aber nur über Stellvertretergrössen fassen. Und jede Stellvertretergrösse hat ihren eigenen Geltungsbereich.

2 · Die absolute und die relative Seite

Zweihundertfünfzig Watt sind zweihundertfünfzig Watt. Das ist die absolute Seite: die physikalische Grösse selbst, ohne Bezug auf die Person, die sie erzeugt.

Die relative Seite setzt dieselbe Belastung ins Verhältnis zu einer Bezugsgrösse dieser Person — etwa zu ihrer maximalen Sauerstoffaufnahme oder zu ihrer Schwellenleistung. Der Zweck ist genau der, den der Einstieg vermisst: Bei Menschen mit unterschiedlicher Leistungsfähigkeit soll eine ungefähr gleichwertige Beanspruchung entstehen.

Das gelingt schlechter als angenommen. Dieselbe Übersichtsarbeit hält fest, dass eine Belastung beim gleichen Prozentsatz der maximalen Sauerstoffaufnahme oder der maximalen Herzfrequenz die Beteiligten nicht notwendigerweise auf eine gleichwertige Stufe stellt — und dass Einzelne beim selben Prozentwert oberhalb, andere unterhalb einer Stoffwechselschwelle liegen können.

Eine relative Vorgabe macht das Training individuell angemessen.

Relativ heisst nur: auf eine persönliche Bezugsgrösse bezogen. Ob diese Bezugsgrösse den physiologischen Zustand trifft, ist eine zweite, davon unabhängige Frage. Abschnitt 8 beantwortet sie — und die Antwort ist unbequem.

Person A Person B dieselbe äussere Leistung hier noch unter dem ersten Übergang hier schon darüber äussere Leistung → Die Zahl ist gleich. Die Übergänge sitzen woanders — und wo, zeigt die Zahl nicht.

Dieselbe äussere Leistung, zwei Menschen. Die Zahl ist gleich, die Lage nicht. Schematisch und ohne Achsenwerte: Die Übergänge sitzen bei jeder Person woanders, und wo genau, zeigt die absolute Zahl nicht. Die Breite der Bereiche ist gezeichnet, nicht gemessen.

3 · Aussen und innen

Die Unterscheidung, die hier trägt, stammt aus der Belastungsforschung und ist im Artikel Trainingsbelastung verstehen → ausführlich eingeführt. Angewandt auf die Intensität sieht sie so aus:

SeiteWas sie ist
Äussere Intensität Die Härte, die in der Datei steht: Watt, Tempo, Geschwindigkeit. Messbar, unmittelbar, unabhängig von der Person.
Innere Intensität Die Härte, die im Körper stattfindet: Herzfrequenz, Sauerstoffaufnahme, Laktat, Empfinden. Immer an diese Person, diesen Tag, diesen Moment gebunden.

Zwischen beiden gibt es einen Zusammenhang — aber keine feste Umrechnung. Dieselbe äussere Belastung kann bei verschiedenen Menschen und beim selben Menschen zu verschiedenen Zeiten eine andere innere Belastung erzeugen.

Wer nur die äussere Seite sieht, weiss, was geleistet wurde. Er weiss nicht, was es gekostet hat.

kein fester Umrechnungsweg AUSSEN was in der Datei steht Leistung (Watt) Tempo INNEN was im Körper passiert Herzfrequenz Sauerstoffaufnahme Laktat Empfinden Zwei Seiten derselben Belastung. Absichtlich ohne Pfeile: Eine feste Zuordnung von aussen nach innen gibt es nicht. Dieselbe äussere Belastung kann innen Verschiedenes bedeuten — bei zwei Menschen und beim selben Menschen an zwei Tagen.

Vier Grössen, zwei Seiten. Die Verbindung dazwischen ist ein Band, keine Linie. Absichtlich ohne Pfeile von einer bestimmten äusseren zu einer bestimmten inneren Grösse: Eine feste Zuordnung gibt es nicht, und sie zu zeichnen wäre die häufigste Verwechslung in Bildform.

4 · Sechs Messgrössen, sechs verschiedene Antworten

Sie sind keine austauschbaren Anzeigen desselben Sachverhalts. Jede erfasst etwas anderes — und jede lässt etwas anderes aus.

GrösseErfasst — und erfasst nicht
Leistung (Watt) Erfasst die äussere mechanische Leistung, unmittelbar und ohne Verzögerung. Erfasst nicht, was sie im Körper kostet. Im Radsport direkt gemessen; beim Laufen aus Schätzverfahren gerechnet.
Herzfrequenz Erfasst eine innere Antwort auf die Belastung. Erfasst nicht die Belastung selbst. Sie antwortet verzögert, und sie driftet — beides in Abschnitt 6.
Tempo Erfasst die äussere Intensität im Laufen und Schwimmen. Erfasst nicht den Einfluss von Steigung, Untergrund, Wind, Hitze und Höhe. Dasselbe Tempo ist unter verschiedenen Bedingungen verschieden hart.
Sauerstoffaufnahme Der direkteste verfügbare Ausdruck innerer Intensität — sie erfasst die aerobe Stoffwechselrate. Erfasst nicht die anaeroben Beiträge. Und sie ist im Feld nicht messbar: Ausserhalb des Labors ist jede Angabe eine Schätzung.
Laktat Hier nur eine Messgrösse unter sechs. Was sie zeigt und was nicht, steht in einem eigenen Artikel.
Empfinden Erfasst, wie hart es sich anfühlt — die eine Grösse, die kein Gerät liefert. Wie eng das mit den anderen zusammenhängt, ist gemessen worden: Abschnitt 5.

Laktat verstehen →

5 · Was das Empfinden wirklich kann

«Nach Gefühl trainieren» gilt vielen als das Gegenteil von Datenarbeit. Die Zahlen sagen etwas anderes.

Eine Meta-Analyse zur Gültigkeit der Borg-Skala bei Gesunden berichtet, wie stark die empfundene Anstrengung mit physiologischen Grössen zusammenhängt:

Empfinden hängt zusammen mit …Zusammenhang
Atemfrequenzr = 0,72
% der maximalen Sauerstoffaufnahmer = 0,64
Sauerstoffaufnahmer = 0,63
Herzfrequenzr = 0,62
Ventilationr = 0,61
Blutlaktatr = 0,57

Das sind gewichtete Mittelwerte einer Meta-Analyse an gesunden Personen. Die Arbeit hält ausdrücklich fest, dass die Gültigkeit der Skala damit geringer ausfällt als bislang angenommen — angenommen worden war ein Bereich von r = 0,80 bis 0,90.

Beides ist wahr, und das ist der Punkt. Ein Zusammenhang in dieser Grössenordnung ist ein realer Zusammenhang — und zugleich einer mit erheblicher Streuung. Das Empfinden ist also weder «nur ein Gefühl» noch ein präziser physiologischer Marker.

Das Empfinden ist unwissenschaftlich.

Das Empfinden zeigt zuverlässig, in welchem Bereich du bist.

Die Arbeit nennt auch, was die Streuung zwischen den Studien mit erklärt: Geschlecht, Fitnesszustand, Art der Skala, Bewegungsart, Testprotokoll und die Art, wie überhaupt nach dem Empfinden gefragt wurde.

Der Talk Test — und ein lehrreicher Bruch

Ein zweites Verfahren ohne Labor: Man spricht während der Belastung einen kurzen Text und achtet darauf, ob das noch bequem geht. Eine Übersichtsarbeit ordnet die Stufe, auf der die Antwort unentschieden wird, dem Bereich der ersten Schwelle zu und die erste klar negative Stufe dem oberen Übergang. Für die empfundene Anstrengung nennt sie dieselben beiden Übergänge bei Werten um 10 bis 11 und 13 bis 15 der Borg-Skala — als Korridore, nicht als Grenzen.

Und jetzt der Bruch, der dieses Verfahren erst richtig verständlich macht. Eine Validierungsstudie an 20 Herzpatienten (65 ± 8,5 Jahre, Fahrradergometer) fand zwischen den Talk-Test-Stufen und der ventilatorischen Schwelle keine bedeutsamen Unterschiede in Sauerstoffaufnahme und Leistung — und gleichzeitig weite Übereinstimmungsgrenzen. Die Korrelationen lagen zwischen 0,37 und 0,60. Die Autoren sprechen von schlechter Übereinstimmung im Einzelfall.

Im Mittel stimmt die Zuordnung. Beim Einzelnen kann sie deutlich danebenliegen. Beides ist wahr — der Widerspruch ist nur scheinbar.

Diese Studie untersuchte Herzpatientinnen und Herzpatienten, nicht gesunde Ausdauersportler, und sie ist klein. Eine Übersichtsarbeit bewertet den Talk Test bei Gesunden, Wettkampfsportlern und Herz-Kreislauf-Patienten als gültig, zuverlässig und praktisch — hält aber selbst fest, dass er für hochintensives Intervalltraining möglicherweise nicht praktikabel ist.

Das Muster dahinter ist wichtiger als der Talk Test. Ein Verfahren kann im Gruppenmittel hervorragend funktionieren und für dich persönlich danebenliegen. Eine gute Gruppenübereinstimmung ist keine gute Einzelvorhersage.

6 · Warum die Zahlen auseinanderlaufen

Wer lange genug mit Daten trainiert, kennt den Moment: gleiche Watt, höherer Puls. Oder gleiches Tempo, plötzlich schwerer. Das ist kein Messfehler.

Die Zeit

Die äussere Intensität ist sofort da. Tritt man in die Pedale, stehen die Watt in derselben Sekunde. Die inneren Grössen brauchen länger: Die Herzfrequenz antwortet verzögert, und auch die Sauerstoffaufnahme steigt nicht sprunghaft, sondern über einen Zeitraum an.

Bei kurzen, harten Intervallen kann das dazu führen, dass die Belastung vorbei ist, bevor die inneren Grössen ihren Wert erreicht haben. Der Puls hinkt der Arbeit hinterher — er ist deshalb bei kurzen Belastungen ein schlechter Anzeiger der Intensität.

Die Dauer — und die kardiovaskuläre Drift

Der bestdokumentierte Fall, in dem äussere und innere Intensität systematisch auseinanderlaufen, hat einen Namen. Eine Übersichtsarbeit beschreibt die kardiovaskuläre Drift: den allmählichen Anstieg der Herzfrequenz und die Abnahme des Schlagvolumens, die nach etwa zehn Minuten längerer Belastung mittlerer Intensität einsetzen. Sie geht mit einer verringerten maximalen Sauerstoffaufnahme einher, besonders unter Hitzebelastung.

Und daraus folgt der Satz, auf den es ankommt: Die erhöhte Herzfrequenz spiegelt bei länger dauernder Belastung in der Hitze eine tatsächlich erhöhte relative Intensität wider.

Der steigende Puls zeigt, dass du härter arbeitest.

Die mechanische Leistung ist unverändert. Was sich verändert hat, ist der Anteil: Dieselbe Wattzahl bedeutet nach anderthalb Stunden einen grösseren Anteil dessen, was in diesem Moment möglich ist. Der Puls hat recht — nur nicht mit dem, was man ihm unterstellt.

Die Umgebung

Dass dasselbe Tempo bergauf, in der Hitze oder in der Höhe verschieden hart ist, leuchtet unmittelbar ein. Belastbar untersucht ist für diesen Artikel allerdings nur die Hitze. Für Steigung und Höhe haben wir bei der Recherche zu diesem Artikel keine Arbeit gefunden, die wir am Original prüfen konnten — deshalb stehen sie hier als Beispiele und nicht mit Zahlen.

kurz und hart das Innen hinkt hinterher lang und gleichmässig aussen bleibt gleich, innen steigt Belastung endet hier aussen innen Zeit → Unten ist die äussere Leistung unverändert. Gestiegen ist der Anteil dessen, was gerade möglich ist. Schematisch, ohne Achsenwerte. Wie stark und wie schnell, hängt von Person, Bedingungen und Dauer ab.

Zwei Fälle, in denen aussen und innen nicht synchron laufen. Oben hinkt das Innen hinterher. Unten steigt es, obwohl aussen nichts passiert. Schematisch, ohne Achsenwerte: Wie stark und wie schnell, hängt von Person, Bedingungen und Dauer ab.

7 · Die Übergänge, an denen sich wirklich etwas ändert

Bis hierher könnte der Eindruck entstehen, Intensität sei reine Ansichtssache. Das ist sie nicht — und dieser Abschnitt ist der Grund.

Die Sportwissenschaft unterscheidet drei Bereiche, die nicht durch Rechenregeln definiert sind, sondern durch qualitativ verschiedenes Verhalten des Körpers:

BereichWas Sauerstoffaufnahme und Laktat tun
moderat Beide erreichen einen stabilen Wert. Der Körper findet ein Gleichgewicht und hält es.
schwer Beide erreichen ebenfalls einen stabilen Wert — aber erhöht und verzögert. Zusätzlich steigt der Sauerstoffbedarf nach einigen Minuten weiter an.
sehr schwer Kein stabiler Wert mehr. Die Störung schreitet fort, bis die Belastung endet — und der Abbruch fällt mit dem Erreichen der maximalen Sauerstoffaufnahme zusammen.

Manche Autoren führen darüber hinaus einen vierten, extremen Bereich, in dem der Abbruch erfolgt, bevor die maximale Sauerstoffaufnahme überhaupt erreicht wird. Für diesen Artikel bleibt es bei der Erwähnung: Eine eigene Primärquelle zu seiner Abgrenzung haben wir nicht gefunden.

Warum das keine Konvention ist

Der stärkste Beleg stammt aus Muskelbiopsien. Eine Untersuchung an 11 Männern am Fahrradergometer fand, dass sich die stoffwechselbezogenen und neuromuskulären Faktoren, die die Ermüdung bestimmen, sich je nach Bereich unterscheiden. Im sehr schweren Bereich wurde beim Abbruch ein ähnliches muskuläres Stoffwechselmilieu erreicht — über Belastungsdauern von etwa zwei bis vierzehn Minuten hinweg.

Eine Übersichtsarbeit ordnet dieselbe Struktur in das Verhältnis von Leistung und Dauer ein und beschreibt die unterschiedliche Herkunft der Ermüdung je Bereich: im moderaten Bereich langsam und überwiegend zentral, im schweren zentral und peripher und oft mit der Erschöpfung der Kohlenhydratspeicher verbunden, im sehr schweren als fortschreitende Störung mit Abbruch beim Erreichen der maximalen Sauerstoffaufnahme.

Die Bereiche sind beobachtetes Verhalten, keine Einteilung. Wo sie liegen, ist individuell — dass es sie gibt, ist es nicht.

Auch dieser Befund trägt seine Grenzen mit: elf Männer, Fahrradergometer. Die Forschung zu den Intensitätsbereichen ist insgesamt stark radlastig — warum das so ist, steht in Abschnitt 13.

Der weiter steigende Sauerstoffbedarf

Oberhalb der ersten Schwelle bleibt die Sauerstoffaufnahme nicht stabil, sondern steigt nach einigen Minuten weiter. Ein Überblick zur Kinetik nennt als diskutierte Ursachen unter anderem steigendes Blutlaktat, steigendes Adrenalin, erhöhte Atemarbeit, steigende Körpertemperatur und die Rekrutierung schnell zuckender Muskelfasern; rund 86 % dieser zusätzlichen Aufnahme werden dabei den arbeitenden Gliedmassen zugeschrieben.

Der steigende Sauerstoffbedarf zeigt, dass du ineffizienter wirst.

Genau diese naheliegende Deutung wird in der Fachliteratur ausdrücklich bestritten. Eine neuere Übersichtsarbeit legt Belege vor, dass die verbreitete Effizienzkennzahl gar nicht die muskuläre Effizienz abbildet — und dass die Brutto-Effizienz mit steigender Intensität sogar zunimmt, obwohl schnell zuckende Fasern rekrutiert werden. Der Effekt ist beschrieben, seine Deutung ist offen. Dieser Artikel entscheidet den Streit nicht.

Wo genau die obere Grenze liegt

Für die untere Grenze — den Übergang von moderat zu schwer — ist die Lage gut: Verschiedene Verfahren grenzen sie sinnvoll ab. Für die obere Grenze ist sie es nicht.

Die massgebliche Übersichtsarbeit findet für die meisten gebräuchlichen Verfahren wenig Beleg, den schweren vom sehr schweren Bereich abzugrenzen — mit Ausnahme der kritischen Leistung und der kritischen Geschwindigkeit. Das schliesst ausgerechnet das maximale Laktatgleichgewicht aus der Liste der belegten Verfahren aus.

Und darüber ist die Fachwelt offen zerstritten. Die eine Position, eine Übersichtsarbeit von 2019, hält die kritische Leistung für die eigentliche Grenze zwischen Belastungen, bei denen das Gleichgewicht gehalten werden kann, und solchen, bei denen es das nicht kann — und räumt zugleich ein, dass Belastung bei diesem Wert nur etwa 20 bis 30 Minuten durchzuhalten ist. Die Gegenposition, eine Übersichtsarbeit von 2022, hält genau das für den Beweis, dass der Wert systematisch zu hoch bestimmt wird, und kritisiert, dass die Forschung diese Abweichungen überwiegend als methodisches Rauschen behandelt hat.

Dieser Streit ist umstritten, offen und keine Randnotiz. Er betrifft die Grenze, an der sich das Verhalten des Körpers qualitativ ändert. Wer eine der beiden Positionen als entschieden darstellt, sagt mehr, als die Fachliteratur hergibt.

moderat beides wird stabil schwer stabil, aber erhöht — und es steigt noch etwas nach sehr schwer nichts wird mehr stabil erster Übergang oberer Übergang — wo genau, ist umstritten Intensität → Unterschieden durch Verhalten, nicht durch Zahlen. Die Kurven zeigen, was Sauerstoffaufnahme und Laktat über die Zeit tun. Wo die Übergänge bei einer Person liegen, ist individuell — deshalb keine Achsenwerte.

Drei Bereiche, unterschieden durch Verhalten — nicht durch Zahlen. Die obere Grenze ist bewusst als Band gezeichnet. Schematisch, ohne Achsenwerte und ohne Prozentangaben: Wo die Übergänge bei einer Person liegen, ist individuell, und über die Bestimmung der oberen Grenze wird gestritten.

8 · Warum Prozentzahlen nicht die ganze Wahrheit sind

Jetzt die Zahl, die alles Bisherige zusammenzieht.

Eine Untersuchung bestimmte bei 100 Personen (46 Frauen, 54 Männer) am Fahrradergometer die maximale Sauerstoffaufnahme, die Spitzenleistung, die maximale Herzfrequenz, die Laktatschwelle und — über dreissigminütige Dauerbelastungen — das maximale Laktatgleichgewicht. Gefragt war, bei welchen Prozentsätzen diese beiden Übergänge auftreten.

BezugsgrösseErster ÜbergangOberer Übergang
% der maximalen Sauerstoffaufnahme 45–74 % 69–96 %
% der maximalen Herzfrequenz 60–90 % 75–97 %
% der Spitzenleistung 23–57 % 44–71 %

Das sind Spannweiten, keine Mittelwerte, und sie stammen aus dieser einen Untersuchung an 100 Personen am Fahrradergometer. Nimm die zweite Zeile: Bei einem Wert von 75 % der maximalen Herzfrequenz liegt die eine Person deutlich unterhalb ihres ersten Übergangs und die andere deutlich oberhalb — bei identischer Prozentvorgabe.

Die Arbeit schliesst daraus, dass die heute als Goldstandard geltenden Verfahren, die Intensität über feste Prozentsätze von Maximalwerten vorgeben, schlecht zu den Intensitätsbereichen passen und den Stoffwechselreiz deshalb nicht ausreichend steuern.

Siebzig Prozent der maximalen Herzfrequenz sind für alle dieselbe Intensität.

Und verändert das auch die Wirkung?

Die Streuung allein wäre ein akutes Phänomen. Eine Übersichtsarbeit von 2025 geht einen Schritt weiter. Sie fasst 15 Querschnittsstudien mit 5312 Teilnehmenden zusammen — mit dem Ergebnis, dass die Vorgabe über Prozentsätze der Spitzenwerte eine grössere Streuung der akuten Reaktionen erzeugt als eine schwellenbasierte Vorgabe. Und sie zieht drei randomisierte Studien mit 135 Teilnehmenden sowie eine Meta-Analyse mit 1544 Personen aus 42 Studien heran: Dort führte die Prozentvorgabe zu kleineren Verbesserungen der Spitzen-Sauerstoffaufnahme und der Stoffwechselgesundheit.

Diese Arbeit stammt überwiegend aus klinischen Zusammenhängen — Personen mit kardiovaskulärem Risiko oder Erkrankung. Die Übertragung auf gesunde Ausdauersportler ist eine Annahme, keine Feststellung.

Der Einwand, der stehenbleibt

Es wäre bequem, hier zu schliessen: Schwellen sind besser. Eine ältere Übersichtsarbeit hält dagegen zwei Dinge fest, die weiterhin gelten. Erstens erfordern Schwellen zusätzliche Testtermine und Blutentnahmen. Zweitens — und das ist der schwerere Punkt — schwanken Schwellen von Tag zu Tag stärker als die maximale Sauerstoffaufnahme oder die maximale Herzfrequenz.

Schwellenbasierte Vorgaben treffen den physiologischen Zustand zuverlässiger. Sie sind aufwendiger zu bestimmen — und sie schwanken selbst.

Warum Prozentzonen trotzdem etwas taugen

Eine grobe Landkarte ist besser als keine. Wer seine Einheiten nach Prozentbereichen steuert, macht nichts falsch.

Der Fehler liegt nicht im Gebrauch der Prozentzonen, sondern in der Annahme, hinter jeder Zonengrenze stehe ein eigener Körperzustand.

9 · Zonen sind nicht dasselbe wie Bereiche

Damit lässt sich der Unterschied jetzt sauber ziehen — und er ist der wichtigste Begriffsunterschied dieses Artikels.

TrainingszonenIntensitätsbereiche
Herkunft Modell, Konvention, Rechenregel beobachtetes Verhalten des Körpers
Anzahl drei, fünf, sechs, sieben — je nach System drei, mit einem diskutierten vierten
Grenzen feste Zahlen Übergangsbereiche
Zwischen Anwendungen vergleichbar nein im Prinzip ja

Zone 2 und der moderate Bereich sind dasselbe.

Eine Zone kann in der Nähe eines Bereichs liegen. Ob sie es tut, hängt vom Modell ab, vom Anker, von der Person — und lässt sich aus der Zonennummer allein nicht sagen. Wie die Einteilungen selbst zustande kommen und was sie taugen, behandelt ein eigener Artikel.

Trainingszonen verstehen →

10 · Intensität mal Dauer

Bisher ging es um eine einzige Frage: wie hart. Jetzt kommt die zweite dazu: wie lange. Denn allein ist keine von beiden aussagekräftig.

Es gibt dafür eine randomisierte Studie, die selten sauber antwortet. 35 trainierte Freizeitradfahrer (29 Männer, 6 Frauen) trainierten sieben Wochen lang in vier Gruppen — mit unterschiedlich langen Intervallen und damit unterschiedlich viel angesammelter Arbeit bei jeweils anderer Intensität.

GruppeErreichte IntensitätZuwachs
vier mal acht Minuten 90 ± 2 % der Spitzen-Herzfrequenz 11,4 % (8,0–14,9)
vier mal sechzehn Minuten 88 ± 2 % 5,6 % (2,1–9,1)
vier mal vier Minuten 94 ± 2 % 5,5 % (2,0–9,0)
nur niedrige Intensität 4,2 % (0,4–8,0)

Die Prozentwerte der mittleren Spalte wurden erreicht, nicht vorgegeben. Der Zuwachs ist ein Mittel aus drei Zielgrössen, mit 95-%-Intervall, aus einer Studie an neun Radfahrern je Gruppe über sieben Wochen am Fahrrad.

Die härteste Gruppe war nicht die beste. Höhere Intensität ist nicht gleichbedeutend mit einem stärkeren Reiz.

Vier mal acht Minuten sind das wirksamste Intervall.

Das folgt daraus nicht. Neun Menschen pro Gruppe, sieben Wochen, trainierte Freizeitradfahrer, sechs Frauen unter fünfunddreissig Teilnehmenden — das ist ein Beleg gegen «härter ist besser», kein Trainingsplan. Sumenia gibt keine Trainingsvorgaben, und dieser Artikel gibt auch keine.

Die Asymmetrie, die daraus folgt: Aus einer Belastungszahl lässt sich die Intensität nicht zurückrechnen. Sechzig Minuten mittlerer und dreissig Minuten hoher Intensität können dieselbe Belastungszahl ergeben und sind physiologisch nicht dasselbe. Wie sich Training aufsummiert, ist ein eigenes Thema.

Trainingsbelastung verstehen →

11 · «HIIT» heisst zweierlei

Ein Begriff, der überall steht und den niemand einheitlich benutzt. Eine Fachposition hält ausdrücklich fest: Für «hochintensives Intervalltraining» gibt es trotz seiner weiten Verbreitung keine einheitliche Definition.

Dieselbe Arbeit legt offen, warum. Es sind zwei Bedeutungen im Umlauf, und beide sind fachlich gültig:

VerwendungWas «HIIT» dort heisst
Leistungssport Belastungen oberhalb des schweren Bereichs — also überwiegend im sehr schweren Bereich, abgegrenzt über die kritische Leistung oder die kritische Geschwindigkeit.
Gesundheit Belastungen oberhalb moderater Intensität — abgegrenzt über Leitlinienvorgaben zu Empfinden, Sauerstoffaufnahme oder Herzfrequenz.

Das ist ein grosser Unterschied. Was im Gesundheitskontext als hochintensiv gilt, kann im Leistungssport im schweren Bereich liegen — also unterhalb dessen, was dort gemeint ist.

Sprint-Intervalltraining grenzen dieselben Autoren davon ab: wiederholte Belastungen mit nahezu maximalem bis vollständig ausbelastendem Einsatz.

Wenn zwei Menschen «HIIT» sagen und Verschiedenes meinen, ist das kein Missverständnis. Es sind zwei parallel gültige Fachverwendungen.

Dieser Abschnitt klärt Begriffe. Er ist ausdrücklich keine Empfehlung für oder gegen Intervalltraining.

12 · Anderer Sport, anderer Begriff

Alles bisher Gesagte stammt aus dem Ausdauertraining. Trägt es weiter?

Im Krafttraining

Dort bezeichnet «Intensität» üblicherweise etwas anderes: nicht eine Stoffwechselrate, sondern eine relative Last — meist einen Prozentsatz dessen, was einmal bewegt werden kann. Das sind zwei verschiedene Begriffe, die dasselbe Wort tragen.

Und auch dort trifft dieselbe Prozentzahl Menschen verschieden. Eine Untersuchung an 30 männlichen Sportstudenten liess drei Sätze bis zum Muskelversagen bei 70 % des Einwiederholungsmaximums im Bankdrücken absolvieren, mit zwei Minuten Pause. Die Zahl der Wiederholungen fiel von 12,50 ± 2,19 im ersten Satz auf 6,06 ± 1,98 und 4,20 ± 1,99. Die Autoren schliessen, dass sich die Intensität einer solchen Vorgabe kaum definieren und kontrollieren lässt.

Auch der modernere Weg über den Geschwindigkeitsverlust löst das nicht: Eine Untersuchung an 18 Männern (Kniebeuge und Bankdrücken) fand für die Zahl der Wiederholungen bei festgelegten Schwellen eine Streuung zwischen den Personen von 14 bis 79 % und hält fest, dass dieser Zugang kein gleiches Anstrengungsniveau über verschiedene Personen hinweg sicherstellt.

Sind die Intensitätsbereiche also übertragbar? Die Antwort ist zweigeteilt, und beide Hälften gehören dazu. Ein Grenzkonzept wurde übertragen: Eine Arbeit an 15 gesunden Männern an der Beinpresse bestimmte eine kritische Last. Das vollständige Drei-Bereiche-Schema mit seinen Gleichgewichtskriterien haben wir für dynamisches Krafttraining dagegen nicht validiert gefunden — was nicht heisst, dass es das nicht gibt.

Und die Bestimmung ist protokollabhängig. Dieselbe Arbeit an den 15 gesunden Männern schätzte die kritische Last über drei Ausbelastungsdurchgänge auf 53 % und über vier Durchgänge auf 38 % des Einwiederholungsmaximums. Fünfzehn Prozentpunkte Unterschied, allein durch das Verfahren.

Was die Intensität im Krafttraining tatsächlich steuert, zeigt die umfangreichste vorliegende Dosis-Wirkungs-Analyse — 295 Studien, 6710 Teilnehmende: Das Ausmass der Verbesserungen hängt überwiegend von der Lastintensität und von der gemessenen Zielgrösse ab. Maximalkraft wird voraussichtlich mit den schwersten Lasten maximiert, Sprunghöhe mit relativ leichten (rund 30 % des Einwiederholungsmaximums), Schnellkraft mit niedrigen bis mittleren (40–70 %).

Im Ausdauertraining sind die Bereiche zielunabhängig definiert. Im Krafttraining bestimmt die Zielgrösse, welche Last die richtige ist. Das ist ein anderer Begriff, nicht eine Variante desselben.

Das betrifft auch Sumenia. Für Krafteinheiten ohne aufgezeichneten Puls nimmt die App eine feste Intensität an, um überhaupt eine Last schätzen zu können. Das ist eine offen erklärte Näherung, keine Messung — und die Herkunft der Zahl fährt in der Auswertung mit.

Und in Mannschaftssportarten?

Dort wechseln Stehen, Traben und Sprinten ständig. Eine mittlere Intensität beschreibt eine solche Belastung schlecht, und deshalb wird dort üblicherweise anders gemessen — über äussere Kennzahlen aus Ortung und Beschleunigungsmessung zusammen mit inneren wie Herzfrequenz und Empfinden.

Was es dafür bräuchte — Geschwindigkeitszonen aus einem individuellen Feldtest — hat Sumenia nicht gebaut. Dieser Artikel deutet deshalb nichts dergleichen an.

13 · Wo die Evidenz schief steht

Zwei Schieflagen, die man kennen muss, um die Zahlen dieses Artikels richtig zu lesen.

Frauen fehlen

Ein systematischer Überblick über 250 Studien zu den Folgen hoher Trainingsdosen für Herz und Kreislauf hat nachgezählt: 127 dieser Studien — über die Hälfte — schlossen Frauen vollständig aus. 3,2 % untersuchten ausschliesslich Frauen. Der mittlere Frauenanteil lag bei 18,2 %; vor 2011 bei 14,5 %, danach bei 21,8 %.

Für dieses Thema ist das nicht akademisch. In der Untersuchung an den 100 Personen traten beide Übergänge bei den Frauen bei einem höheren Prozentsatz der maximalen Sauerstoffaufnahme und der maximalen Herzfrequenz auf als bei den Männern. Eine geschlechtsneutrale Prozentvorgabe trifft also systematisch verschieden.

Der stärkste Einzelbefund dazu stammt aus einer Untersuchung an 20 Personen, davon 10 Frauen, an einer isometrischen Kniestreckung. Die kritische Intensität lag bei den Frauen bei einem höheren Anteil der Maximalkraft (25 ± 3 % gegenüber 21 ± 2 %), und bei einer Belastung zehn Prozent oberhalb dieser Grenze hielten sie mehr als doppelt so lange durch (62,37 ± 17,25 gegenüber 30,43 ± 12,75 Minuten). Für die verfügbare Arbeitsmenge oberhalb der Grenze fand sich kein Unterschied. Bemerkenswert ist etwas anderes: Der Unterschied blieb bestehen, obwohl auf eine Stoffwechselschwelle normiert wurde. Eine bessere Bezugsgrösse beseitigt ihn nicht — sie macht ihn sichtbar.

Frauen brauchen andere Zonen.

Das Geschlecht spielt keine Rolle.

Beides wäre zu viel behauptet. In der grossen Dosis-Wirkungs-Analyse zum Krafttraining an 6710 Teilnehmenden verbesserte die Aufnahme des Geschlechts die Modellgüte nicht. Die belegbare Aussage lautet: An mehreren untersuchten Stellen macht das Geschlecht einen Unterschied — und die Datenlage ist insgesamt zu männerlastig, um die Frage verlässlich zu beantworten.

Und fast alles kommt vom Rad

Die Forschung zu den Intensitätsbereichen, die den physiologischen Kern dieses Artikels trägt, wurde überwiegend am Fahrradergometer gewonnen. Das ist kein Zufall: Am Ergometer lässt sich die äussere Leistung direkt einstellen, unabhängig von Technik, Untergrund und Wind. Genau die Bedingung, die saubere Forschung ermöglicht, fehlt im Laufen, im Schwimmen und erst recht im Mannschaftssport.

Das Konzept der Bereiche gilt allgemein. Die Zahlen dazu tragen ihre Sportart mit. Für das Schwimmen haben wir für diesen Artikel keine eigene Evidenz zu den Bereichen gesucht — auch das ist eine Lücke und keine Aussage.

14 · Welche Zahl beantwortet welche Frage?

Nach dreizehn Abschnitten Einschränkungen die praktische Seite. Keine der Grössen ist falsch — jede beantwortet eine andere Frage.

Wenn du wissen willst …… schau auf
Was habe ich geleistet? Watt oder Tempo. Die äussere Seite, unmittelbar und vergleichbar über Tage hinweg.
Was hat es mich gekostet? Herzfrequenz und Empfinden. Die innere Seite — beide gebunden an diesen Tag, diese Bedingungen, diese Person.
War heute anders als sonst? Das Verhältnis der beiden Seiten zueinander. Gleiche Watt bei höherem Puls ist eine Information — kein Fehler.
In welchem Bereich war ich? Das lässt sich aus einer einzelnen Zahl nicht sagen. Dafür braucht es eine Bestimmung der eigenen Übergänge — und die ist aufwendig.
War das genug? Nicht über die Intensität allein. Intensität und Dauer wirken zusammen.

Intensität zu verstehen heisst nicht, die eine richtige Zahl zu finden. Es heisst zu wissen, welche Zahl gerade welche Frage beantwortet — und wann sie schweigt.

15 · Was Trainingsintensität nicht bedeutet

Stimmt nicht «Intensität ist die Herzfrequenz.»

Die Herzfrequenz ist eine innere Antwort auf die Belastung, nicht die Belastung selbst. Sie antwortet verzögert und driftet mit der Dauer.

Stimmt nicht «Intensität ist die Wattzahl.»

Watt sind die äussere Seite. Sie sagen, was geleistet wurde — nicht, was es diesen Menschen an diesem Tag gekostet hat.

Stimmt nicht «Gleiche Watt heissen gleiche Intensität.»

Nicht zwischen zwei Menschen und nicht beim selben Menschen an zwei Tagen. Genau damit fängt dieser Artikel an.

Stimmt nicht «Eine relative Vorgabe ist automatisch die richtige.»

Relativ heisst nur: auf eine persönliche Bezugsgrösse bezogen. Ob diese Grösse den physiologischen Zustand trifft, ist eine zweite Frage.

Stimmt nicht «Trainingszonen und Intensitätsbereiche sind dasselbe.»

Zonen sind ein Modell mit festen Zahlen. Bereiche sind beobachtetes Verhalten des Körpers — die Ermüdung entsteht in ihnen nachweislich verschieden.

Stimmt nicht «Über der Schwelle ist es anaerob, darunter aerob.»

Kein Schalter kippt. Auch oberhalb ist Sauerstoff beteiligt; was sich ändert, ist das Verhalten von Sauerstoffaufnahme und Laktat über die Zeit.

Stimmt nicht «Hohe Intensität heisst hohe Gesamtbelastung.»

Belastung ist Intensität mal Dauer. Eine kurze harte Einheit kann weniger Belastung ergeben als eine lange ruhige — und umgekehrt.

Stimmt nicht «Härter ist ein stärkerer Reiz.»

In der Intervallstudie mit 35 Radfahrern über sieben Wochen war die härteste Gruppe nicht die beste.

Stimmt nicht «Die Schwellenleistung ist eine allgemeingültige physiologische Grenze.»

Sie ist ein Anker — brauchbar und geschätzt. Wo die physiologischen Übergänge einer Person liegen, sagt sie nicht.

Nicht gestützt «Der Talk Test trifft deine Schwelle.»

Im Mittel stimmt die Zuordnung, im Einzelfall waren die Übereinstimmungsgrenzen weit. Das Verfahren ist brauchbar — als Anhaltspunkt, nicht als Messung.

16 · DATA → CONTEXT → UNDERSTANDING

01 · Data

Was dasteht

250 W

Eine Zahl aus der Datei.

02 · Context

Was danebensteht

wie lange wurde das gehalten? was hat der Puls dabei gemacht — und wie hat es sich angefühlt? war es die erste oder die dritte Stunde? wie warm war es? und: wo liegen bei dieser Person die Übergänge?

Erst die letzte Frage macht aus der Zahl eine Intensität.

03 · Understanding

Was jetzt gesagt werden kann

Die absolute Leistung ist bekannt und über Tage vergleichbar. Was sie für diesen Menschen an diesem Tag bedeutet, ergibt sich erst aus dem Zusammenspiel mehrerer Grössen — und bleibt auch dann eine Annäherung.

17 · Was dieser Artikel ausdrücklich nicht ist

Er erklärt Sportwissenschaft. Er gibt keine medizinischen Empfehlungen, keine Diagnose und keine persönliche Trainingsanweisung.

Hohe Intensitäten belasten Herz und Kreislauf. Wer Vorerkrankungen hat, längere Zeit nicht trainiert hat oder bei Belastung Beschwerden bemerkt — Brustschmerz, Atemnot, Schwindel, Herzstolpern —, klärt das vorher ärztlich ab.

Das gilt besonders, wenn solche Beschwerden neu sind oder sich verstärken.

Sumenia verstehen →

Weiterlesen

Quellen

  1. Jamnick, N. A., Pettitt, R. W., Granata, C., Pyne, D. B., & Bishop, D. J. (2020). An Examination and Critique of Current Methods to Determine Exercise Intensity. Sports Medicine, 50(10), 1729–1756. doi:10.1007/s40279-020-01322-8 — Übersichtsarbeit. Quelle des Abschnitts 1, der Abgrenzung der unteren und oberen Übergänge und des Befunds, dass für die obere Grenze wenig belegte Verfahren vorliegen.
  2. Iannetta, D., Inglis, E. C., Mattu, A. T., Fontana, F. Y., Pogliaghi, S., Keir, D. A., & Murias, J. M. (2020). A Critical Evaluation of Current Methods for Exercise Prescription in Women and Men. Medicine & Science in Sports & Exercise, 52(2), 466–473. doi:10.1249/MSS.0000000000002147 — Querschnittsstudie, 100 Personen (46 Frauen), Radergometer. Quelle aller Spannweiten in Abschnitt 8 und des Geschlechterbefunds in Abschnitt 13. Einschränkung: eine Untersuchung, eine Sportart, Labor.
  3. Mann, T., Lamberts, R. P., & Lambert, M. I. (2013). Methods of prescribing relative exercise intensity. Sports Medicine, 43(7), 613–625. doi:10.1007/s40279-013-0045-x — Übersichtsarbeit. Quelle des Zwecks relativer Vorgaben, ihres Scheiterns im Einzelfall und des Einwands in Abschnitt 8. Einschränkung: Stand 2013; der Fortschritt seither steht daneben.
  4. Hansen, D., Cipriano Junior, G., Milani, J. G. P. O., et al. (2025). Advancing Aerobic Exercise Training Intensity Prescription in Health and Disease. Sports Medicine, 55(9), 2111–2135. doi:10.1007/s40279-025-02272-9 — Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse. Quelle der Zahlen zur Wirkung schwellenbasierter Vorgaben. Einschränkung: überwiegend klinische Zusammenhänge; die Übertragung auf gesunde Ausdauersportler ist eine Annahme.
  5. Impellizzeri, F. M., Shrier, I., McLaren, S. J., et al. (2023). Understanding Training Load as Exposure and Dose. Sports Medicine, 53(9), 1667–1679. doi:10.1007/s40279-023-01833-0 — Begriffsarbeit. Grundlage der Unterscheidung äussere und innere Seite; ausführlich im Artikel «Trainingsbelastung verstehen».
  6. Black, M. I., Jones, A. M., Blackwell, J. R., et al. (2017). Muscle metabolic and neuromuscular determinants of fatigue during cycling in different exercise intensity domains. Journal of Applied Physiology, 122(3), 446–459. doi:10.1152/japplphysiol.00942.2016 — Studie mit Muskelbiopsien, 11 Männer, Radergometer. Quelle dafür, dass die Bereiche beobachtetes Verhalten sind. Einschränkung: klein, nur Männer, eine Sportart.
  7. Burnley, M., & Jones, A. M. (2018). Power–duration relationship: physiology, fatigue, and the limits of human performance. European Journal of Sport Science, 18(1), 1–12. doi:10.1080/17461391.2016.1249524 — Übersichtsarbeit. Quelle der bereichsabhängigen Ermüdungsmechanismen.
  8. Jones, A. M., Burnley, M., Black, M. I., Poole, D. C., & Vanhatalo, A. (2019). The maximal metabolic steady state: redefining the «gold standard». Physiological Reports, 7(10), e14098. doi:10.14814/phy2.14098 — Fachposition. Position A des offenen Streits um die obere Grenze.
  9. Dotan, R. (2022). A critical review of critical power. European Journal of Applied Physiology, 122(7), 1559–1588. doi:10.1007/s00421-022-04922-6 — Fachposition. Position B desselben Streits. Der Artikel entscheidet ihn nicht.
  10. Chen, M. J., Fan, X., & Moe, S. T. (2002). Criterion-related validity of the Borg ratings of perceived exertion scale in healthy individuals: a meta-analysis. Journal of Sports Sciences, 20(11), 873–899. doi:10.1080/026404102320761787 — Meta-Analyse. Quelle aller r-Werte in Abschnitt 5. Einschränkung: Die Arbeit berichtet r, nicht die erklärte Varianz; Geschlecht, Fitness, Skala, Bewegungsart und Protokoll wirken als Moderatoren.
  11. Bok, D., Rakovac, M., & Foster, C. (2022). An Examination and Critique of Subjective Methods to Determine Exercise Intensity. Sports Medicine, 52(9), 2085–2109. doi:10.1007/s40279-022-01690-3 — Übersichtsarbeit. Quelle der Zuordnung von Talk Test und empfundener Anstrengung zu den Übergängen.
  12. Sørensen, L., Larsen, K. S. R., & Petersen, A. K. (2020). Validity of the Talk Test as a Method to Estimate Ventilatory Threshold and Guide Exercise Intensity in Cardiac Patients. Journal of Cardiopulmonary Rehabilitation and Prevention, 40(5), 330–334. doi:10.1097/HCR.0000000000000506 — Validierungsstudie, 20 Herzpatienten. Quelle des Gruppenmittel-Einzelfall-Bruchs. Einschränkung: klein, Herzpatienten, Radergometer — nicht ohne Weiteres auf gesunde Ausdauersportler übertragbar.
  13. Reed, J. L., & Pipe, A. L. (2014). The talk test: a useful tool for prescribing and monitoring exercise intensity. Current Opinion in Cardiology, 29(5), 475–480. doi:10.1097/HCO.0000000000000097 — Übersichtsarbeit. Die günstigere Bewertung desselben Verfahrens; hält selbst fest, dass es für hochintensives Intervalltraining möglicherweise nicht praktikabel ist.
  14. Wingo, J. E., Ganio, M. S., & Cureton, K. J. (2012). Cardiovascular drift during heat stress: implications for exercise prescription. Exercise and Sport Sciences Reviews, 40(2), 88–94. doi:10.1097/JES.0b013e31824c43af — Übersichtsarbeit. Quelle der Drift und der Aussage, dass die erhöhte Herzfrequenz eine erhöhte relative Intensität widerspiegelt.
  15. MacDougall, K. B., Falconer, T. M., & MacIntosh, B. R. (2022). Efficiency of cycling exercise: quantification, mechanisms, and misunderstandings. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports, 32(6), 951–970. doi:10.1111/sms.14149 — Übersichtsarbeit. Bestreitet ausdrücklich die Deutung des steigenden Sauerstoffbedarfs als Effizienzverlust.
  16. Xu, F., & Rhodes, E. C. (1999). Oxygen uptake kinetics during exercise. Sports Medicine, 27(5), 313–327. doi:10.2165/00007256-199927050-00003 — Übersichtsarbeit. Quelle der diskutierten Ursachen und der Zuschreibung von rund 86 % zu den arbeitenden Gliedmassen. Einschränkung: Stand 1999; eine Zuschreibung, keine Einzelmessung.
  17. Seiler, S., Jøranson, K., Olesen, B. V., & Hetlelid, K. J. (2013, online 2011). Adaptations to aerobic interval training: interactive effects of exercise intensity and total work duration. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports, 23(1), 74–83. doi:10.1111/j.1600-0838.2011.01351.x — Randomisierte Studie, 35 trainierte Freizeitradfahrer (6 Frauen), 7 Wochen. Quelle des Abschnitts 10. Einschränkung: neun Personen je Gruppe, eine Sportart — ein Beleg gegen «härter ist besser», keine Trainingsvorgabe.
  18. Hofmann, P., & Tschakert, G. (2017). Intensity- and duration-based options to regulate endurance training. Frontiers in Physiology, 8, 337. doi:10.3389/fphys.2017.00337 — Übersichtsarbeit. Ergänzend zu Abschnitt 10: Für jede Leistung existiert eine maximale Dauer.
  19. Coates, A. M., Joyner, M. J., Little, J. P., Jones, A. M., & Gibala, M. J. (2023). A Perspective on High-Intensity Interval Training for Performance and Health. Sports Medicine, 53(Suppl 1), 85–96. doi:10.1007/s40279-023-01938-6 — Fachposition. Quelle der zwei Bedeutungen von «HIIT» und der Abgrenzung des Sprint-Intervalltrainings.
  20. MacInnis, M. J., & Gibala, M. J. (2017). Physiological adaptations to interval training and the role of exercise intensity. The Journal of Physiology, 595(9), 2915–2930. doi:10.1113/JP273196 — Übersichtsarbeit. Hält ausdrücklich fest, dass die Wechselwirkungen zwischen Intensität, Dauer und Häufigkeit nicht gründlich untersucht sind.
  21. Heredia-Elvar, J. R., Hernández-Lougedo, J., Maicas-Pérez, L., et al. (2022). Reproducibility and Applicability of Traditional Strength Training Prescription Recommendations. Biology, 11(6), 851. doi:10.3390/biology11060851 — Reproduzierbarkeitsstudie, 30 männliche Sportstudenten, Bankdrücken. Einschränkung: eine Übung, nur Männer.
  22. Martínez-Rubio, C., Quidel-Catrilelbún, M. E. L., Baena-Raya, A., Rodríguez-Pérez, M. A., & Pérez-Castilla, A. (2023). Inter-repetition rest impact on percentage of repetition completed at certain velocity loss. International Journal of Sports Medicine, 45(2), 116–124. doi:10.1055/a-2200-5937 — Vergleichsstudie, 18 Männer. Einschränkung: klein, nur Männer, zwei Übungen.
  23. Arakelian, V. M., Mendes, R. G., Trimer, R., et al. (2016). Critical load: a novel approach to determining a sustainable intensity during resistance exercise. Journal of Sports Medicine and Physical Fitness, 57(5), 556–564. doi:10.23736/S0022-4707.16.06169-7 — Methodenstudie, 15 gesunde Männer, Beinpresse. Quelle dafür, dass ein Grenzkonzept auf Krafttraining übertragen wurde — und dass seine Bestimmung protokollabhängig ist. Einschränkung: klein, nur Männer, eine Übung.
  24. Ansdell, P., Brownstein, C. G., Škarabot, J., et al. (2019). Sex differences in fatigability and recovery relative to the intensity–duration relationship. The Journal of Physiology, 597(23), 5577–5595. doi:10.1113/JP278699 — Vergleichsstudie, 20 Personen (10 Frauen), isometrische Kniestreckung. Quelle des stärksten Geschlechterbefunds dieses Artikels. Einschränkung: isometrisch, nicht dynamisch; kleine Stichprobe.
  25. Swinton, P. A., Schoenfeld, B. J., & Murphy, A. (2024). Dose–response modelling of resistance exercise across outcome domains in strength and conditioning: a meta-analysis. Sports Medicine, 54(6), 1579–1594. doi:10.1007/s40279-024-02006-3 — Meta-Analyse, 295 Studien, 6710 Teilnehmende. Quelle dafür, dass im Krafttraining die Zielgrösse die Last bestimmt — und des Gegenbefunds, dass die Aufnahme des Geschlechts die Modellgüte dort nicht verbesserte.
  26. Patel, R., Kemp, C. L., Hafejee, M., Peckham, N., Jain, V., McCann, G. P., & Pallikadavath, S. (2021). The Underrepresentation of Females in Studies Assessing the Impact of High-Dose Exercise on Cardiovascular Outcomes. Sports Medicine – Open, 7(1), 30. doi:10.1186/s40798-021-00320-y — Systematischer Überblick über 250 Studien. Quelle der Zahlen in Abschnitt 13. Einschränkung: Das gezählte Feld sind kardiovaskuläre Endpunkte, nicht die Intensitätsforschung insgesamt.
  27. Enes, A., Oneda, G., Alves, D. L., et al. (2020). Determinant factors of the match-based internal load in elite soccer players. Research Quarterly for Exercise and Sport, 92(1), 63–70. doi:10.1080/02701367.2019.1710445 — Beobachtungsstudie, 23 Spieler. Herangezogen für die Aussage, dass im Mannschaftssport anders gemessen wird. Einschränkung: Die Kennzahlen dieser Arbeit stehen bewusst nicht im Text — ein Vorhersagebeitrag ist keine Ursache.
  28. de Waal, S. J., Gomez-Ezeiza, J., Venter, R. E., & Lamberts, R. P. (2021). Physiological indicators of trail running performance: a systematic review. International Journal of Sports Physiology and Performance, 16(3), 325–332. doi:10.1123/ijspp.2020-0812 — Systematischer Überblick. Herangezogen für die Grenzen des Tempos als Intensitätsmass im Gelände.

Stand der fachlichen Durchsicht: 02.09.2026. Recherchiert über PubMed. Alle Angaben an der Zusammenfassung oder am Volltext der Originalarbeit geprüft; Arbeiten, die sich nicht verifizieren liessen, wurden aus der Grundlage dieses Artikels entfernt.

Ausdrücklich nicht gefunden: eine am Original prüfbare Arbeit zum Einfluss von Steigung und Höhe auf die Intensität desselben Tempos; eine eigene Primärquelle zur Abgrenzung des vierten, extremen Bereichs; eine Validierung des vollständigen Drei-Bereiche-Schemas für dynamisches Krafttraining; eigene Evidenz zu den Intensitätsbereichen im Schwimmen. Der Artikel behauptet in keinem dieser Punkte eine Nichtexistenz — er sagt, was wir nicht gefunden haben.