Sumenia Academy · Leistung

Laktat verstehen.

Was Laktat wirklich ist — und warum es nicht eine Laktatschwelle gibt, sondern viele.

23 Minuten Danach weisst du, warum Laktat kein Abfall ist, was eine Laktatkurve zeigt, warum derselbe Athlet bei zwei Tests zwei verschiedene Schwellen bekommen kann — und was ein Laktattest trotzdem gut kann.

Kaum ein Wort im Ausdauersport wird so oft benutzt und so selten erklärt wie dieses.

Die verbreitete Geschichte geht so: Bei harter Belastung bekommt der Muskel zu wenig Sauerstoff, es entsteht Milchsäure, die übersäuert den Muskel, macht ihn schwer — und am nächsten Tag den Muskelkater. Jede Station dieser Geschichte ist entweder falsch oder stark verkürzt.

Laktat ist ein normales Zwischenprodukt des Stoffwechsels, das auch bei ausreichender Sauerstoffversorgung entsteht — und von vielen Geweben als Brennstoff genutzt wird.

Dieser Artikel erklärt, was Laktat tatsächlich tut, was eine Laktatkurve zeigt, warum «Laktatschwelle» kein einzelnes Verfahren bezeichnet — und was ein gut gemachter Test dir trotzdem sagen kann.

1 · Zwei Begriffe, die ständig verwechselt werden

Bevor es losgeht, eine Unterscheidung, die den halben Ärger erklärt.

Milchsäure ist eine Säure. Laktat ist das, was von ihr übrig bleibt, wenn sie ihr Wasserstoff-Ion abgegeben hat. Bei dem Säuregrad, der im Körper herrscht, liegt praktisch alles als Laktat vor — Milchsäure als solche gibt es im Muskel kaum.

Gemessen wird im Blut immer Laktat. Deshalb steht in diesem Artikel durchgehend Laktat, auch dort, wo umgangssprachlich «Milchsäure» gesagt würde.

2 · Woher Laktat kommt — und warum nicht erst bei Sauerstoffmangel

Wenn dein Körper Kohlenhydrate zu Energie verarbeitet, entsteht in einem ersten Schritt eine Substanz namens Pyruvat. Ein Teil davon wird zu Laktat umgebaut. Ein Enzym erledigt das, die Laktatdehydrogenase.

Warum überhaupt? Weil dieser Umbau einen Helferstoff zurückgewinnt, den der erste Schritt der Energiegewinnung ständig verbraucht. Ohne diese Rückgewinnung würde die Kette stocken. Die Laktatbildung hält den Betrieb am Laufen.

Laktat entsteht auch dann, wenn genügend Sauerstoff da ist. Es wird unter voll aeroben Bedingungen laufend gebildet und laufend wieder verbraucht.

Das ist der erste Punkt, an dem die Schulbuchgeschichte kippt. Die Vorstellung, Laktat sei die Folge von Sauerstoffmangel im arbeitenden Muskel, gilt in der Fachliteratur als überholt. Laktat ist kein Notprodukt, sondern Teil des normalen Betriebs.

Bei zu wenig Sauerstoff schaltet der Muskel auf Laktatproduktion um.

3 · Wohin es geht: der Laktat-Shuttle

Wenn Laktat ständig entsteht — warum stapelt es sich dann nicht einfach im Muskel?

Weil es weggebracht und weiterverwendet wird. Der Physiologe George Brooks hat dafür das Bild des Shuttles geprägt: Laktat wandert zwischen Zellen, die es bilden, und Zellen, die es brauchen.

Belegt sind drei Rollen:

RolleWas das heisst
Brennstoff Laktat wird von Zellen aufgenommen und zur Energiegewinnung verbrannt — wie ein Treibstoff, der von einem Ort zum anderen gereicht wird.
Baustoff für Zucker Die Leber kann aus Laktat wieder Glukose herstellen. Laktat ist dafür der wichtigste Ausgangsstoff.
Signalstoff Laktat wirkt auch als Botenstoff und beeinflusst, welche Bauanleitungen in der Zelle abgelesen werden. Dieser Teil der Forschung ist noch jung.

Ausgetauscht wird Laktat zum Beispiel zwischen verschiedenen Fasertypen desselben Muskels — und zwischen dem arbeitenden Muskel und Herz, Gehirn, Leber und Nieren.

Die Konzentration im Gewebe kann dabei über einen weiten Bereich schwanken — die Übersichtsliteratur nennt 0,5 bis 20 Millimol pro Liter als physiologische Spanne. Es gibt also nicht einen «richtigen» Wert, sondern einen Betriebsbereich.

Eine Einordnung, die dazugehört: Das Shuttle-Konzept stammt von demselben Forscher, der es begründet hat, und ist breit anerkannt. Einzelne Detailbefunde — besonders zur Signalwirkung — sind jüngeren Datums, und der Artikel behandelt sie deshalb zurückhaltend.

WO ES ENTSTEHT arbeitender Muskel aus dem Kohlenhydratstoffwechsel UNTERWEGS über Blut und Zellmembranen — auch im Muskel selbst WO ES GEBRAUCHT WIRD Herz · Gehirn · Nieren ruhende Muskulatur Leber: baut Zucker daraus Laktat bleibt nicht liegen. Was gemessen wird, ist die Bilanz aus Bildung und Verwertung — nicht die Bildung allein. Rein begrifflich. Die Pfeile sind absichtlich gleich stark: wie viel wohin geht, hängt von Person, Intensität und Dauer ab.

Laktat entsteht, wandert und wird verbraucht. Es bleibt nicht liegen. Schematisch und rein begrifflich: keine Mengen, keine Flussraten, keine Pfeilstärken, die eine Aufteilung behaupten würden. Wie viel wohin geht, hängt von Person, Intensität und Dauer ab — und das gibt die Literatur nicht als feste Zahl her.

4 · Und die Übersäuerung?

Jetzt zur zweiten Station der alten Geschichte — und die ist heikler, weil beide einfachen Antworten falsch sind.

Über achtzig Jahre lang wurde gelehrt: harte Belastung, mehr Milchsäure, ein Wasserstoff-Ion wird frei, der Säuregrad in der Zelle sinkt. Eine Übersichtsarbeit von 2004 hat diese Rekonstruktion durchgerechnet und kommt zu einem anderen Schluss.

Die Wasserstoff-Ionen stammen überwiegend aus einer anderen Reaktion — aus der Spaltung des Energieträgers ATP, also aus dem Energieverbrauch selbst. Solange dieser Verbrauch über die Atmung gedeckt wird, häufen sie sich nicht an. Erst wenn zusätzliche Wege einspringen, steigt die Freisetzung.

Die Laktatbildung verbraucht dabei Wasserstoff-Ionen. Sie verzögert die Übersäuerung, statt sie auszulösen.

Wie gross dieser Beitrag ist, hat derselbe Autor 2019 in einer Modellrechnung beziffert: Über die gesamte Energiegewinnung in der Zelle war die Laktatbildung mit rund 44,5 Millimol pro Liter der grösste einzelne puffernde Beitrag.

Diese Zahl stammt aus einer Modellrechnung eines einzelnen Autors, nicht aus einer Messung an Menschen. Sie zeigt eine Grössenordnung und eine Richtung — keinen an Personen gemessenen Wert.

Und jetzt die andere Hälfte, ohne die der Satz falsch wird. Dieselbe Arbeit hält fest, dass die Laktatbildung zeitlich mit der Übersäuerung zusammenfällt. Beides passiert unter denselben Bedingungen. Deshalb bleibt Laktat ein brauchbarer indirekter Anzeiger für einen Zustand, den es nicht verursacht.

Übersäuerung und Laktat haben nichts miteinander zu tun.

Das wäre die Gegenthese, die genauso falsch ist wie der Mythos. Richtig ist der Zwischenweg: gleichzeitig, aber nicht ursächlich — und gerade deshalb messbar nützlich.

5 · Die Laktatkurve

Bei einem Laktattest fährst oder läufst du in Stufen: eine Weile locker, dann etwas härter, dann noch härter. Nach jeder Stufe wird ein Tropfen Blut genommen und der Laktatwert bestimmt. Trägt man die Werte gegen die Belastung auf, entsteht eine Kurve.

Ihr typischer Verlauf: Zuerst bleibt der Wert lange fast unverändert. Dann beginnt er zu steigen. Und irgendwann steigt er steil.

Der entscheidende Punkt zum Verständnis: Der gemessene Wert ist eine Bilanz aus Bildung und Verwertung — kein Produktionsmesser. Ein niedriger Wert kann heissen, dass wenig gebildet wird. Er kann genauso gut heissen, dass viel gebildet und ebenso viel wieder verbraucht wird.

Solange sich Bildung und Verwertung die Waage halten, bleibt die Kurve flach. Wenn die Bildung schneller wächst als die Verwertung, steigt sie.

Unterhalb der Schwelle entsteht kein Laktat.

Es entsteht ständig welches. Unterhalb ist es nur im Gleichgewicht.

Belastung → ↑ Laktat im Blut lange flach ansteigend steil Solange sich Bildung und Verwertung die Waage halten, bleibt die Kurve flach. Sie steigt, wenn die Bildung schneller wächst als die Verwertung. Illustration, keine Messung. Die Achsen tragen bewusst keine Werte — wo diese Bereiche bei einer Person liegen, ist individuell.

Eine Laktatkurve, schematisch. Diese Kurve ist eine Illustration, keine Messung und keine Norm. Sie zeigt die Form, um die es geht: lange flach, dann ansteigend, dann steil. Wo genau diese Punkte bei einer Person liegen, ist individuell — deshalb trägt die Grafik keine Zahlen an den Achsen.

6 · «Die Schwelle» — und warum es sie so nicht gibt

Jetzt kommt der Punkt, an dem die meisten Missverständnisse entstehen.

Eine systematische Übersichtsarbeit hat die Fachliteratur durchgesehen und 25 verschiedene Konzepte gefunden, die alle «Laktatschwelle» heissen oder dasselbe zu bestimmen versuchen. Sie liessen sich drei Familien zuordnen:

FamiliePrinzip
Fester Wert Man legt eine Laktatkonzentration fest und liest ab, bei welcher Belastung die Kurve sie erreicht.
Erster Anstieg Man sucht den Punkt, an dem der Wert erstmals klar über den Ruhewert steigt.
Kurvenform Man sucht eine deutliche Änderung der Kurvenneigung — oder schätzt damit die höchste dauerhaft haltbare Intensität.

Diese drei Familien beantworten verwandte, aber nicht dieselbe Frage. Deshalb liefern sie auf derselben Kurve verschiedene Punkte.

«Laktatschwelle» ist ein Sammelbegriff. Wer ihn benutzt, muss sagen, welches Verfahren gemeint ist — sonst ist die Zahl nicht einzuordnen.

Belastung → ↑ Laktat im Blut erster Anstieg erstmals klar über dem Ruhewert fester Wert gesetzt, nicht gemessen Kurvenform deutliche Änderung der Neigung Eine Kurve, drei Verfahren, drei Punkte. Keiner der drei Punkte ist der richtige — sie beantworten verschiedene Fragen. Die gestrichelte Waagerechte trägt bewusst keinen Wert: sie steht für die Familie der festen Werte, nicht für einen bestimmten.

Dieselbe Kurve, drei Verfahren, drei Punkte. Kein Punkt ist der «richtige» — sie beantworten verschiedene Fragen. Der waagerechte Strich steht für die Familie der festen Werte: Er wird gesetzt, nicht gemessen, und schneidet die Kurve dort, wo er sie eben schneidet. Schematisch, ohne Achsenwerte; die Lage der Punkte ist illustrativ.

Wie gut treffen diese Verfahren?

Dieselbe Übersichtsarbeit hat 32 Studien ausgewertet, die Laktatschwellen mit der Ausdauerleistung verglichen. Die überwiegende Mehrheit fand starke Zusammenhänge, besonders beim Laufen.

Und dann der Satz, auf den es ankommt: Die Autoren halten fest, dass die Streuung der individuellen Unterschiede zwischen einer Schwelle und dem tatsächlich haltbaren Bereich praktisch und statistisch wichtig wäre — «which is rarely reported», wie sie schreiben. Sie wird selten berichtet.

Was das heisst: Ein Verfahren kann in einer Gruppe hervorragend mit der Leistung zusammenhängen und für dich persönlich trotzdem daneben liegen. Eine gute Gruppenkorrelation ist keine gute Einzelvorhersage.

7 · LT1 und LT2

Zwei Abkürzungen, die dir begegnen werden.

BegriffWas gemeint ist
LT1 Der erste Anstieg des Blutlaktats über den Ruhewert. Oft «aerobe Schwelle» genannt. Was als «Anstieg» zählt, definiert jedes Verfahren selbst.
LT2 Der Übergang in den Bereich, der nicht mehr lange durchzuhalten ist. Oft «anaerobe Schwelle» genannt. Dafür konkurrieren zahlreiche Rechenverfahren.

Beide bezeichnen einen Bereich, kein physikalisch scharfes Ereignis — und beide hängen davon ab, mit welchem Verfahren man sie bestimmt. Zwei Labore, zwei Rechenwege, zwei LT2-Werte für denselben Athleten: völlig normal.

Auch die Begriffe selbst sind uneinheitlich. «Anaerobe Schwelle» bedeutet je nach Autor Verschiedenes — und der Ausdruck ist doppelt unglücklich, weil er nahelegt, oberhalb liefe der Stoffwechsel ohne Sauerstoff. Das tut er nicht.

Verwandt, aber nicht dasselbe: die ventilatorischen Schwellen aus der Atemgasmessung. Sie messen eine andere Grösse mit einem anderen Verfahren. Sie können in der Nähe liegen — gleichsetzen darf man sie nicht.

Trainingszonen verstehen →

8 · Die Geschichte mit den vier Millimol

Kaum eine Zahl im Ausdauersport ist so bekannt. Und kaum eine wird so selten eingeordnet.

Es gibt eine Originalarbeit von 1985 mit dem Titel «Justification of the 4-mmol/l lactate threshold», die diesen Wert begründet hat. Diese Arbeit war für uns nicht zugänglich — es gibt in der Literaturdatenbank keine Zusammenfassung dazu, und den Volltext haben wir nicht erhalten. Wir können deshalb weder die untersuchte Gruppe noch die Herleitung noch die berichtete Streuung nachprüfen.

Deshalb steht in diesem Artikel nichts darüber, wie der Wert zustande kam. Was man dazu häufig liest, konnten wir nicht am Original prüfen — und ungeprüftes Sekundärwissen als Herleitung auszugeben wäre genau der Fehler, den dieser Artikel bei anderen kritisiert.

Was wir belegen können, stammt aus einer anderen Arbeit. 1981 untersuchte eine Gruppe von 18 männlichen Marathonläufern, wie gut sich ihre Marathongeschwindigkeit vorhersagen lässt. Die Laufgeschwindigkeit bei vier Millimol pro Liter — dem festen Wert, um den es hier geht — erklärte in dieser Gruppe 92 % der Unterschiede in der Marathongeschwindigkeit.

Das ist ein starker Zusammenhang — in dieser Gruppe. Achtzehn Männer, eine Sportart, ein Wettkampf, das Jahr 1981. Ein Regressionsbefund, keine Ursache. Und keine Aussage darüber, wo bei dir ein physiologischer Übergang liegt.

Vier Millimol ist ein fester Wert, eine Konvention: eine waagerechte Linie, die man über jede Kurve legen kann. Sie schneidet deine Kurve an einer Stelle, und diese Stelle lässt sich über Monate verfolgen. Als Verlaufsmass ist das brauchbar.

Vier Millimol ist deine anaerobe Schwelle.

Vier Millimol ist wissenschaftlich widerlegt.

Beides trifft nicht zu. Ein fester Wert beschreibt einen Punkt auf deiner Kurve — nicht deinen physiologischen Übergang. Er ist als Verlaufsmass legitim und als Universalaussage unbrauchbar.

9 · MLSS — der haltbare Bereich

Wenn ein fester Wert nicht sagt, wo dein Übergang liegt: Was dann?

Das direkteste Konzept heisst MLSS, maximales Laktat-Gleichgewicht. Gemeint ist die höchste konstante Intensität, bei der dein Laktatwert über die Belastungsdauer nicht weiter steigt. Ein Stück schneller, und er steigt und steigt.

Der Haken steckt in der Bestimmung. Dafür braucht es keinen Stufentest, sondern mehrere Dauerbelastungen an verschiedenen Tagen, jede rund eine halbe Stunde lang, bei jeweils anderer Intensität — bis man die Grenze eingekreist hat. Das kostet Tage.

Ob man MLSS einen «Goldstandard» nennen darf, gehört mit Einschränkung beantwortet. Eine Metaanalyse über 36 Studien hält ausdrücklich fest, dass auch das MLSS-Verfahren eigene Grenzen hat: Was als «Gleichgewicht» zählt, ist eine Setzung, und das gewählte Zeitfenster verschiebt das Ergebnis. MLSS ist das direkteste verfügbare Mass — nicht ein unbestechlicher Massstab.

Wie breit die Lage streut

Und jetzt die Zahl, die zeigt, warum Prozentangaben von Maximalwerten so wenig taugen.

Bei 100 Personen — 46 Frauen, 54 Männer — lag das MLSS zwischen 69 und 96 Prozent der maximalen Sauerstoffaufnahme. Der erste Laktatanstieg lag zwischen 45 und 74 Prozent.

Das ist eine enorme Spanne. Zwei Menschen mit identischer Maximalleistung können ihre haltbare Grenze an ganz verschiedenen Stellen haben. Eine Prozentzahl vom Maximum ist deshalb keine Trainingsvorgabe. Diese Werte stammen aus einer Laboruntersuchung am Radergometer — sie beschreiben die Streuung, nicht eine Zielzone.

Und Critical Power?

Ein verwandtes Konzept, das aus mehreren Ausbelastungstests eine theoretisch dauerhaft haltbare Leistung errechnet. Es beantwortet eine ähnliche Frage — mit einem anderen Verfahren.

Ähnliche Frage heisst nicht dasselbe Ergebnis. Die Metaanalyse hält fest, dass das übliche MLSS-Protokoll und Critical Power aus kurzen Tests nicht dieselbe Intensität abbilden.

10 · Warum zwei Laktattests nicht dasselbe messen

Das ist der praktisch wichtigste Abschnitt des Artikels.

Das Protokoll verändert das Ergebnis

Eine Vergleichsstudie liess dieselben Radfahrer zwei Stufentests absolvieren — einmal mit dreiminütigen Stufen, einmal mit achtminütigen. Bei den gut trainierten Teilnehmern lag die ermittelte Leistung an der Laktatschwelle im Drei-Minuten-Protokoll signifikant höher als im Acht-Minuten-Protokoll. Bei den Freizeitsportlern trat dieser Unterschied nicht auf. Und ein fester Laktatwert verhielt sich in beiden Protokollen ähnlich.

Zwölf Radfahrer, sechs davon gut trainiert, nur Männer, nur Radfahren. Eine kleine Studie — aber der Befund ist didaktisch entscheidend: Derselbe Athlet, zwei Protokolle, zwei Schwellen. Und der Effekt hing vom Trainingszustand ab.

Belastung → ↑ Laktat im Blut zwei Ergebnisse lange Stufen kurze Stufen Derselbe Athlet. Zwei Stufendauern. Nicht der Athlet hat sich geändert, sondern der Test. Die Richtung folgt dem Befund. Wie gross der Abstand ist, zeigt die Grafik nicht — er hing im Befund vom Trainingszustand ab.

Derselbe Athlet, zwei Stufendauern, zwei Kurven — und damit zwei Schwellen. Nicht weil sich der Athlet geändert hätte, sondern weil sich der Test geändert hat. Schematisch, ohne Achsenwerte. Die Richtung des Unterschieds folgt dem Befund; seine Grösse ist nicht abgebildet, weil sie von der Person und ihrem Trainingszustand abhängt.

Der Messort

Blut kann am Ohrläppchen oder an der Fingerbeere abgenommen werden. Die Studienlage dazu ist uneinheitlich: Eine grössere ältere Untersuchung fand systematische Unterschiede zwischen den Orten, eine kleinere neuere hielt sie für praktisch unerheblich — bei allerdings sehr weiten Übereinstimmungsgrenzen.

Was daraus folgt, ist deshalb bewusst bescheiden: Der Messort kann das Ergebnis beeinflussen, und für einen Verlaufsvergleich sollte er über die Tests hinweg gleich bleiben. Ob Ohr und Finger grundsätzlich dasselbe liefern, lässt sich mit den vorliegenden Arbeiten nicht entscheiden — und dieser Artikel behauptet deshalb weder das eine noch das andere.

Das Messgerät

Auch das verwendete Messgerät spielt eine Rolle. Ein Vergleich mehrerer tragbarer Analysegeräte gegen ein Laborgerät fand Unterschiede sowohl zwischen den Geräten als auch gegenüber dem Labor — je nach Gerät unterschiedlich gross, und im höheren Wertebereich ausgeprägter.

Wichtig ist die Trennung zweier Dinge, die leicht durcheinandergeraten: Die analytische Messabweichung ist die Ungenauigkeit des Geräts. Die biologische Variation ist die Schwankung deines Körpers von Tag zu Tag. Beides kommt zusammen — es ist nicht dasselbe. Tragbare Geräte sind deshalb nicht beliebig gegeneinander tauschbar.

Und die Vorbedingungen

Die Laktatbildung setzt verfügbare Kohlenhydrate voraus. Wer mit weitgehend entleerten Glykogenspeichern zum Test kommt, bringt eine andere Ausgangslage mit — die Kurve beschreibt dann nicht denselben Zustand.

Wie stark sich eine Kurve dadurch verschiebt, sagt dieser Artikel nicht: Eine belastbare Quelle dafür haben wir nicht gefunden. Dasselbe gilt für die Vorbelastung der letzten Tage — auch dazu haben wir keine quantifizierende Arbeit gefunden. Beides bleibt eine Regel für die Standardisierung, keine Rechengrösse.

Für einen Verlaufsvergleich gilt deshalb: gleiches Protokoll, gleicher Messort, gleiches Gerät, vergleichbare Vorbedingungen. Sonst misst der zweite Test etwas anderes als der erste.

11 · Was sich durch Training verändert

Trainiert man über Monate, verschiebt sich die Kurve typischerweise nach rechts: Bei derselben Belastung liegt der Laktatwert tiefer, oder derselbe Wert wird erst bei höherer Belastung erreicht.

Warum, ist die interessante Frage — und hier verlangt die Quellenlage Zurückhaltung. Denkbar sind mindestens zwei Wege: Es entsteht weniger Laktat, oder es wird mehr davon verwertet. Beides ist plausibel, und beides ist trainierbar. Wiederholte Belastung verändert nachweislich die Ausstattung der Zellen für Energiegewinnung und Laktattransport.

Wie sich eine Kurvenverschiebung auf diese beiden Wege aufteilt, konnten wir nicht belegen. Wer behauptet, sie komme ausschliesslich aus besserer Verwertung — oder ausschliesslich aus geringerer Bildung —, sagt mehr, als die Datenlage hergibt.

Weniger Laktat bedeutet mehr Fitness.

Es kommt darauf an, wobei gemessen wurde. Ein niedrigerer Wert bei derselben absoluten Leistung ist ein Trainingszeichen. Bei derselben relativen Intensität — also gleich weit vom eigenen Maximum entfernt — ist er das nicht ohne Weiteres.

Trainingsbelastung verstehen →

12 · Was ein Laktattest kann

Nach zwei Abschnitten voller Einschränkungen die andere Seite — denn ein gut gemachter Test ist nützlich.

Das kann erWarum
Deine Belastungsreaktion beschreiben Die Form deiner Kurve ist deine, nicht die einer Norm.
Veränderungen über die Zeit zeigen Bei gleichem Protokoll ist der Vergleich zweier Tests aussagekräftig — auch mit einem festen Wert als Bezugspunkt.
Anhaltspunkte für Intensitätsbereiche geben Verfahrensspezifisch: Das Ergebnis gehört immer zum verwendeten Verfahren dazu.
Andere Diagnostik ergänzen Neben Atemgasmessung und Leistungsdaten liefert er eine eigene Perspektive.

Was er nicht kann, ist exakte Trainingszonen erzeugen.

Laktatzonen, Atmungszonen, Herzfrequenzzonen und Leistungszonen sind verwandte, aber nicht deckungsgleiche Systeme. Für manche Abgrenzungen gibt es gute Belege, für viele gebräuchliche Verfahren wenig — und feste Prozentsätze von Maximalwerten taugen laut Übersichtsliteratur schlecht dafür, unterscheidbare Zustände hervorzurufen. Einheitliche Kriterien für die Abgrenzung von Trainingszonen gibt es derzeit nicht.

Wie gross die Uneinigkeit ist, zeigt eine Untersuchung an 50 Radfahrern: Die gebräuchlichen Marker für den lockeren Bereich streuten mit Variationskoeffizienten von 6 bis 29 Prozent. Verschiedene Verfahren, derselbe Athlet, deutlich verschiedene Ergebnisse.

Zone 2 verstehen →

13 · Was Laktat nicht bedeutet

Stimmt nicht «Laktat ist ein Abfallprodukt.»

Es ist Brennstoff für andere Gewebe, Ausgangsstoff für die Zuckerneubildung in der Leber und ein Signalstoff.

Stimmt nicht «Laktat entsteht nur ohne Sauerstoff.»

Es entsteht laufend, auch bei voll ausreichender Sauerstoffversorgung.

Stimmt nicht «Laktat übersäuert den Muskel.»

Die Wasserstoff-Ionen stammen überwiegend aus dem Energieverbrauch. Die Laktatbildung verzögert die Übersäuerung — und fällt zeitlich mit ihr zusammen, bleibt also ein brauchbarer Anzeiger.

Stimmt nicht «Über vier Millimol trainierst du anaerob.»

Ein fester Wert ist ein Punkt auf einer Kurve, kein Stoffwechselschalter. Sauerstoff ist oberhalb genauso beteiligt wie unterhalb.

Stimmt nicht «Unter der Schwelle entsteht kein Laktat.»

Es wird ständig gebildet und ständig verwertet. Unterhalb halten sich beide die Waage.

Stimmt nicht «Ein Laktattest liefert exakte Trainingszonen.»

Das Ergebnis hängt vom Verfahren und vom Protokoll ab. Es gibt Anhaltspunkte, keine exakten Grenzen.

Nicht gestützt «Laktat verursacht Muskelkater.»

Die Milchsäure-Erklärung ist eine von sechs historisch vorgeschlagenen Hypothesen und wird von der Übersichtsliteratur nicht bevorzugt. Als wahrscheinlichste Erklärung gilt dort ein Zusammenspiel mehrerer Mechanismen; besonders bremsende Belastungen erzeugen häufiger und stärker Mikroverletzungen im Gewebe. Dazu passt der zeitliche Verlauf: Der Laktatwert ist längst wieder unten, wenn der Muskelkater beginnt. Abschliessend geklärt ist die Ursache nicht.

14 · DATA → CONTEXT → UNDERSTANDING

01 · Data

Was dasteht

Schwelle

Ein Testbericht nennt eine Wattzahl.

02 · Context

Was danebensteht

welches Verfahren wurde verwendet? wie lang waren die Stufen? wo wurde Blut abgenommen, mit welchem Gerät? wie war die Ausgangslage — gegessen, ausgeruht? wird derselbe Test wiederholt, oder ein anderer? und: ist ein Bereich gemeint oder ein Punkt?

Ohne diese Angaben ist die Wattzahl nicht einzuordnen.

03 · Understanding

Was jetzt gesagt werden kann

Der Wert beschreibt einen Punkt auf deiner Kurve, bestimmt nach einem benannten Verfahren. Verglichen mit demselben Test in drei Monaten sagt er viel. Als absolute Grenze deines Stoffwechsels sagt er wenig.

15 · Was dieser Artikel ausdrücklich nicht ist

Er erklärt Sportwissenschaft. Er gibt keine medizinischen Empfehlungen, keine Diagnose und keine persönliche Trainingsanweisung.

Ein Laktattest ist eine Belastungsuntersuchung. Wer Vorerkrankungen hat, längere Zeit nicht trainiert hat oder bei Belastung Beschwerden bemerkt — Brustschmerz, Atemnot, Schwindel, Herzstolpern —, klärt das vorher ärztlich ab, unabhängig davon, was ein Messwert später sagt.

Das gilt besonders, wenn solche Beschwerden neu sind oder sich verstärken.

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Quellen

  1. Brooks, G. A. (2009). Cell-cell and intracellular lactate shuttles. The Journal of Physiology, 587(23), 5591–5600. doi:10.1113/jphysiol.2009.178350 — Übersichtsarbeit. Quelle des Shuttle-Konzepts, der Rollen als Brennstoff und Ausgangsstoff der Zuckerneubildung und des Austauschs zwischen Muskel, Herz, Gehirn, Leber und Nieren. Einschränkung: Konzeptarbeit des Begründers; einzelne Mechanismen stammen aus Tiermodellen und Zellkultur.
  2. Brooks, G. A. (2020). Lactate as a fulcrum of metabolism. Redox Biology, 35, 101454. doi:10.1016/j.redox.2020.101454 — Übersichtsarbeit. Quelle der Signalfunktion und der Spanne der Gewebskonzentration. Einschränkung: derselbe Autor; die Signalfunktionen sind jüngeren Datums und im Artikel entsprechend zurückhaltend behandelt.
  3. Robergs, R. A., Ghiasvand, F., & Parker, D. (2004). Biochemistry of exercise-induced metabolic acidosis. American Journal of Physiology, 287(3), R502–R516. doi:10.1152/ajpregu.00114.2004 — Übersichtsarbeit mit historischer Rekonstruktion. Quelle des Abschnitts 4, einschliesslich der Feststellung, dass die Laktatbildung zeitlich mit der Übersäuerung zusammenfällt und ein guter indirekter Anzeiger bleibt. Einschränkung: Argumentationsarbeit, keine eigene Messung.
  4. Robergs, R. A. (2019). Quantifying proton exchange from chemical reactions. Comparative Biochemistry and Physiology A, 235, 29–45. doi:10.1016/j.cbpa.2019.04.024 — Modellrechnung. Quelle des Pufferbeitrags. Einschränkung: Berechnung, keine Messung am Menschen; Einzelautor.
  5. Faude, O., Kindermann, W., & Meyer, T. (2009). Lactate threshold concepts: how valid are they? Sports Medicine, 39(6), 469–490. doi:10.2165/00007256-200939060-00003 — Systematische Übersichtsarbeit. Quelle der 25 Konzepte, der drei Kategorien, der 32 Validierungsstudien und des Hinweises, dass die individuelle Streuung gegenüber dem haltbaren Bereich selten berichtet wird. Einschränkung: Stand 2009.
  6. Heck, H., Mader, A., Hess, G., Mücke, S., Müller, R., & Hollmann, W. (1985). Justification of the 4-mmol/l lactate threshold. International Journal of Sports Medicine, 6(3), 117–130. doi:10.1055/s-2008-1025824 — Originalarbeit. Einschränkung: In der Literaturdatenbank ohne Zusammenfassung, der Volltext war für uns nicht zugänglich. Diese Arbeit wird im Artikel ausschliesslich als Existenznachweis verwendet; ihre Herleitung ist nicht geprüft.
  7. Jamnick, N. A., Pettitt, R. W., Granata, C., Pyne, D. B., & Bishop, D. J. (2020). An Examination and Critique of Current Methods to Determine Exercise Intensity. Sports Medicine, 50(10), 1729–1756. doi:10.1007/s40279-020-01322-8 — Übersichtsarbeit. Quelle für die Bewertung gebräuchlicher Zonenverfahren und dafür, dass feste Prozentsätze von Maximalwerten wenig taugen.
  8. Iannetta, D., Inglis, E. C., Mattu, A. T., et al. (2020). A Critical Evaluation of Current Methods for Exercise Prescription in Women and Men. Medicine & Science in Sports & Exercise, 52(2), 466–473. doi:10.1249/MSS.0000000000002147 — Querschnittsstudie, 100 Personen (46 Frauen). Quelle der Streuungsangaben in Abschnitt 9. Einschränkung: Labor, Radergometer.
  9. Borszcz, F. K., de Aguiar, R. A., Costa, V. P., Denadai, B. S., & de Lucas, R. D. (2024). Agreement Between Maximal Lactate Steady State and Critical Power in Different Sports. Journal of Strength and Conditioning Research, 38(6), e320–e339. doi:10.1519/JSC.0000000000004772 — Systematische Übersicht mit Bayes-Metaregression, 36 Studien. Quelle für die Grenzen des MLSS-Verfahrens und für die Abgrenzung zu Critical Power. Einschränkung: Die Autoren berichten kleine Stichproben und teils fehlende Ein- und Ausschlusskriterien in den Primärstudien.
  10. Dekerle, J., Pelayo, P., Clipet, B., et al. (2005). Critical swimming speed does not represent the speed at maximal lactate steady state. International Journal of Sports Medicine, 26(7), 524–530. doi:10.1055/s-2004-821227 — Vergleichsstudie, 8 Schwimmer. Einschränkung: sehr kleine Stichprobe, eine Sportart.
  11. Hering, G. O., Hennig, E. M., Riehle, H. J., & Stepan, J. (2018). A Lactate Kinetics Method for Assessing the Maximal Lactate Steady State Workload. Frontiers in Physiology, 9, 310. doi:10.3389/fphys.2018.00310 — Methodenstudie, 278 Laufband- und 148 Fahrradtests. Zeigt, dass ein sorgfältig durchgeführtes Verfahren bei derselben Person zwischen Tagen sehr gut wiederholbar sein kann. Einschränkung: Verfahren einer Arbeitsgruppe; eine unabhängige Wiederholung wurde nicht recherchiert. Gute Wiederholbarkeit eines Verfahrens ist etwas anderes als Übereinstimmung zwischen Verfahren.
  12. Bentley, D. J., McNaughton, L. R., & Batterham, A. M. (2001). Prolonged stage duration during incremental cycle exercise. European Journal of Applied Physiology, 85(3–4), 351–357. doi:10.1007/s004210100452 — Vergleichsstudie, 12 Radfahrer, davon 6 gut trainiert. Quelle des Protokollbefunds in Abschnitt 10. Einschränkung: sehr klein, nur Männer, nur Radfahren.
  13. Meixner, B., Filipas, L., Holmberg, H.-C., & Sperlich, B. (2025). Zone 2 Intensity. Translational Sports Medicine, 2025, 2008291. doi:10.1155/tsm2/2008291 — Untersuchung an 50 Radfahrern. Quelle der Streuung der Zonenmarker. Einschränkung: nur Radfahren.
  14. Sperlich, B., Matzka, M., & Holmberg, H.-C. (2023). The proportional distribution of training by elite endurance athletes. Frontiers in Sports and Active Living, 5, 1258585. doi:10.3389/fspor.2023.1258585 — Übersichtsarbeit. Quelle dafür, dass einheitliche Kriterien zur Abgrenzung von Trainingszonen derzeit fehlen.
  15. Sjödin, B., & Jacobs, I. (1981). Onset of blood lactate accumulation and marathon running performance. International Journal of Sports Medicine, 2(1), 23–26. doi:10.1055/s-2008-1034579 — Beobachtungsstudie, 18 männliche Marathonläufer. Quelle der Zahlen in Abschnitt 8. Einschränkung: nur Männer, eine Sportart, das Jahr 1981; ein Regressionsbefund, keine Ursache.
  16. Sjödin, B., Jacobs, I., & Karlsson, J. (1981). Onset of blood lactate accumulation and enzyme activities in m. vastus lateralis in man. International Journal of Sports Medicine, 2(3), 166–170. doi:10.1055/s-2008-1034605 — Beobachtungsstudie derselben Kohorte. Ergänzend herangezogen.
  17. Dassonville, J., Beillot, J., Lessard, Y., et al. (1998). Blood lactate concentrations during exercise: effect of sampling site and exercise mode. Journal of Sports Medicine and Physical Fitness, 38(1), 39–46. PMID 9638031 — Vergleichsstudie, 312 gut trainierte Personen, drei Ergometerarten. Fand systematische Unterschiede zwischen den Entnahmeorten. Einschränkung: kein DOI, Stand 1998; die Ergebnisse fielen je nach Belastungsart unterschiedlich aus.
  18. Moran, P., Prichard, J. G., Ansley, L., & Howatson, G. (2012). The influence of blood lactate sample site on exercise prescription. Journal of Strength and Conditioning Research, 26(2), 563–567. doi:10.1519/JSC.0b013e318225f395 — Vergleichsstudie, 20 Männer. Fand keinen bedeutsamen Mittelwertunterschied. Einschränkung: klein, nur Männer, ein Ergometer; die Schlussfolgerung steht neben sehr weiten Übereinstimmungsgrenzen. Zusammen mit der vorigen Arbeit ist die Frage nach dem Entnahmeort mit der vorliegenden Evidenz nicht zu entscheiden.
  19. Tanner, R. K., Fuller, K. L., & Ross, M. L. R. (2010). Evaluation of three portable blood lactate analysers. European Journal of Applied Physiology, 109(3), 551–559. doi:10.1007/s00421-010-1379-9 — Gerätevergleich gegen ein Laborgerät. Quelle des Abschnitts zur Messtechnik. Einschränkung: Gerätegenerationen von 2010; die berichteten Abweichungen sind analytische Messabweichung, nicht biologische Variation.
  20. van Loon, L. J., Greenhaff, P. L., Constantin-Teodosiu, D., Saris, W. H., & Wagenmakers, A. J. (2001). The effects of increasing exercise intensity on muscle fuel utilisation in humans. The Journal of Physiology, 536(1), 295–304. doi:10.1111/j.1469-7793.2001.00295.x — Isotopenstudie mit Muskelbiopsie, 8 Radfahrer. Herangezogen für den Zusammenhang zwischen Intensität und Kohlenhydratnutzung. Einschränkung: sehr klein; der Endpunkt ist die Substratnutzung, nicht die Laktatkurve.
  21. Balsom, P. D., Gaitanos, G. C., Söderlund, K., & Ekblom, B. (1999). High-intensity exercise and muscle glycogen availability in humans. Acta Physiologica Scandinavica, 165(4), 337–345. doi:10.1046/j.1365-201x.1999.00517.x — Interventionsstudie, 7 Männer. Einschränkung: sehr klein; der Endpunkt ist die Leistung, nicht die Laktatkurve.
  22. Forsyth, J. J., & Reilly, T. (2005). The combined effect of time of day and menstrual cycle on lactate threshold. Medicine & Science in Sports & Exercise, 37(12), 2046–2053. doi:10.1249/01.mss.0000179094.47765.d0 — Vergleichsstudie, 11 ausdauertrainierte Ruderinnen, zwei Tageszeiten, zwei Zyklusphasen. Fand keine bedeutsamen Wechselwirkungen zwischen Zyklusphase und Tageszeit; berichtete allerdings, dass ein fester Laktatwert in der mittlutealen Phase bei höherer Intensität erreicht wurde. Einschränkung: eine Studie mit 11 Teilnehmerinnen, eine Sportart, ein Ergometer. Daraus folgt weder, dass die Tageszeit keinen Einfluss hat, noch eine allgemeine Empfehlung zur Zyklusphase bei Laktattests. Der Artikel leitet aus dieser Arbeit deshalb nichts ab.
  23. Cheung, K., Hume, P., & Maxwell, L. (2003). Delayed onset muscle soreness: treatment strategies and performance factors. Sports Medicine, 33(2), 145–164. doi:10.2165/00007256-200333020-00005 — Übersichtsarbeit. Quelle der sechs Hypothesen zum Muskelkater und der Einschätzung, dass ein Zusammenspiel mehrerer Mechanismen die wahrscheinlichste Erklärung ist. Einschränkung: Stand 2003; die Arbeit benennt die Mechanismen ausdrücklich als ungeklärt.

Stand der fachlichen Durchsicht: 02.09.2026. Recherchiert über PubMed. Alle Angaben an der Zusammenfassung oder am Volltext der Originalarbeit geprüft; wo eine Arbeit nicht zugänglich war, ist das an der Quelle vermerkt.

Ausdrücklich nicht gefunden: eine belastbare Angabe dazu, um wie viel sich eine Laktatkurve durch entleerte Kohlenhydratspeicher verschiebt; eine quantifizierende Arbeit zur Wirkung der Vorbelastung; eine passende Untersuchung zum Einfluss der Umgebungstemperatur auf das Testergebnis; eine Aufteilung der Kurvenverschiebung nach Training auf verringerte Bildung gegenüber verbesserter Verwertung. Der Artikel behauptet in keinem dieser Punkte eine Nichtexistenz — er sagt, was wir nicht gefunden haben.