Sumenia Academy · Daten

ATL und TSB verstehen.

Zwei Kurven aus derselben Zahlenreihe, eine schnell und eine langsam. Alles, was du siehst, ist ihr Abstand.

26 Minuten Danach weisst du, was ATL rechnet, warum es schneller reagiert als die Fitnesskurve, wie TSB daraus entsteht, was ein positiver und ein negativer Wert mathematisch bedeuten, was nach einer Trainingspause passiert — und wofür die Zahl taugt und wofür nicht.

Drei Kurven, ein Bildschirm — und die dritte ist gar keine Messung.

Auf jeder Formkurve laufen drei Linien. Die eine steigt langsam, die zweite zuckt bei jeder harten Einheit nach oben, die dritte pendelt um die Null. Sie heissen meistens «Fitness», «Ermüdung» und «Frische», und die letzte gilt als die interessanteste: Sie soll sagen, wie es dir heute geht.

Der Blick in die Rechnung ist ernüchternd und aufschlussreich zugleich. Es gibt keine dritte Messung. Die dritte Linie ist die erste minus die zweite. Und die ersten beiden sind dieselbe Rechnung — sie unterscheiden sich in genau einer Zahl.

TSB misst den Abstand zwischen deinen letzten Tagen und deinen letzten Wochen. Das ist eine nützliche Information — aber keine Aussage darüber, wie erholt du bist oder wie du morgen laufen wirst.

Der mittlere Satz gehört dazu. Dieser Artikel handelt nicht davon, dass die Zahl nichts taugt — sondern davon, dass sie eine engere Frage beantwortet, als Wörter wie «Form» oder «Frische» vermuten lassen.

Was die langsame Kurve für sich genommen ist, steht in einem eigenen Artikel. Hier geht es um die schnelle — und um die Differenz.

CTL verstehen →

1 · Zwei Gedächtnisse aus derselben Zahlenreihe

Jeder Trainingstag liefert eine Belastungszahl. Aus dieser einen Reihe entstehen beide Kurven — und zwar mit derselben Formel:

neuer Wert = alter Wert + Anteil × (heutige Last − alter Wert)
Der «Anteil» ist die einzige Stelle, an der sich die beiden unterscheiden. Er folgt aus einer Zahl, die man Zeitkonstante nennt.

KurveWas sie ist
CTL Chronic Training Load. Derselbe gewichtete Mittelwert mit einer Zeitkonstante von 42 Tagen. Das lange Gedächtnis. Im Produkt heisst sie «Fitness».
ATL Acute Training Load. Dieselbe Rechnung mit einer Zeitkonstante von 7 Tagen. Das kurze Gedächtnis. Im Produkt heisst sie «Ermüdung».
TSB Training Stress Balance. Keine eigene Rechnung: CTL minus ATL. Im Produkt heisst sie «Frische».

Es gibt keinen zweiten Mechanismus. Keine Ermüdungsphysiologie, keinen Erholungsterm, keinen Messwert vom Körper. ATL und CTL sind dieselbe Rechnung mit einer anderen Zahl — und der ganze Unterschied zwischen «Ermüdung» und «Fitness» ist im Modell ein Faktor 6 in der Zeitachse.

ATL ist deine Ermüdung.

Warum die Kurven trotzdem so verschieden aussehen, zeigt das Bild.

Dieselben Balken, zwei Gedächtnisse. kurzes Gedächtnis · 7 langes Gedächtnis · 42 eine Tageslast Beide Linien entstehen aus denselben Balken — mit derselben Formel. Sie unterscheiden sich in genau einer Zahl: der Zeitkonstante. Keine der beiden wurde am Körper gemessen.

Dieselben Balken, zwei verschiedene Gedächtnisse. Die kurze Kurve folgt der letzten Woche, die lange dem letzten Vierteljahr. Beide sind gerechnet, keine ist gemessen.

2 · Warum die eine Kurve schneller reagiert

Beide Kurven vergessen — nur unterschiedlich schnell. Wie viel von einem einzelnen Trainingstag nach einer Weile noch mitzählt, lässt sich exakt ausrechnen:

Nach …… bleibt vom Tag nochbei ATL / bei CTL
einer Zeitkonstante36,79 %nach 7 / 42 Tagen
zwei Zeitkonstanten13,53 %nach 14 / 84 Tagen
drei Zeitkonstanten4,98 %nach 21 / 126 Tagen
der Halbwertszeit50 %nach 4,85 / 29,11 Tagen

Die Prozentsätze sind für beide Kurven identisch. Nur die Zeit dahinter unterscheidet sich.

Das ist der ganze Unterschied. Eine harte Einheit zählt in der schnellen Kurve nach knapp fünf Tagen noch zur Hälfte, in der langsamen nach gut vier Wochen. Deshalb zuckt die eine und die andere nicht.

Und jetzt die Einordnung, die dazugehört: 7 und 42 sind Konventionen. Es wurde keine Arbeit gefunden, die diese beiden Zahlen empirisch ableitet. Sie sind verbreitet und praktisch — aber sie entsprechen keiner gemessenen Erholungs- oder Anpassungsdauer.

Die 7 Tage entsprechen der Erholungsdauer, weil sich der Körper so lange erholt.

Ein Fachkommentar zum zugrunde liegenden Modell wird an dieser Stelle deutlich: Von der Verwendung allgemeiner Konstanten sei abzuraten, weil sie die Unterschiede zwischen Personen nicht abbilden. Wie stark das durchschlägt, steht in Abschnitt 7.

3 · TSB ist der Abstand, mehr nicht

Die dritte Linie entsteht durch eine Subtraktion:

TSB = CTL − ATL
Also: das lange Gedächtnis minus das kurze. Kein zusätzlicher Messwert, keine dritte Datenquelle.

Daraus folgt die vollständige mathematische Bedeutung — und sie passt in drei Zeilen:

Wenn TSB …… dann heisst das
über null liegt Die letzten Tage lagen unter dem Niveau der letzten Wochen.
unter null liegt Die letzten Tage lagen über dem Niveau der letzten Wochen.
bei null liegt Beides deckt sich.

Das ist die vollständige mathematische Bedeutung. Alles Weitere ist Deutung.

Es lohnt sich, kurz stehen zu bleiben. In diesen drei Zeilen kommt kein einziges Wort über deinen Körper vor. Kein Schlaf, kein Puls in Ruhe, kein Muskelkater, keine Erholung. Die Rechnung kennt nur, wie viel du zuletzt getan hast — verglichen damit, wie viel du davor getan hast.

Der Abstand zwischen den beiden Kurven — das ist alles. über null weniger als davor bei null beides gleich unter null mehr als davor langes Gedächtnis kurzes Gedächtnis Der senkrechte Abstand zwischen den beiden Linien ist die dritte Zahl. Über null heisst: die letzten Tage lagen unter dem Niveau der letzten Wochen. Über deinen Zustand sagt der Abstand nichts — er ist eine Rechnung.

TSB ist der senkrechte Abstand zwischen den beiden Kurven. Über null heisst: zuletzt weniger als davor. Unter null: zuletzt mehr. Über deinen Zustand sagt der Abstand nichts.

TSB ist deine Form.

Ein positiver Wert heisst, dass du wettkampfbereit bist.

Warum diese beiden Sätze nicht gedeckt sind, zeigen die nächsten drei Abschnitte — einmal aus der Ermüdungsforschung, einmal vom Wettkampftag und einmal aus der Rechnung selbst.

4 · Warum «Ermüdung» ein Modellwort ist

Das Wort stammt aus dem Ursprungsmodell, in dem es eine Antwortfunktion benennt — eine Rechengrösse, keinen gemessenen Körperzustand. Genau derselbe Befund wie bei «Fitness» für die langsame Kurve.

Die naheliegende Frage ist trotzdem: Hängt angesammelte Belastung denn mit messbarer Ermüdung zusammen? Dazu gibt es eine Untersuchung. Bei 10 Profifussballern wurden über 17 Tage sieben mögliche Ermüdungsmasse gegen die angesammelte Last der letzten 2, 3 und 4 Tage geprüft:

ErmüdungsmassZusammenhang mit angesammelter Last
Empfundene Ermüdungr = −0,31 · −0,42 · −0,28 — schwach bis moderat
Submaximale Herzfrequenzr = 0,28, und nur im 4-Tage-Fenster
Muskelkaterkein signifikanter Zusammenhang
Schlafqualitätkein signifikanter Zusammenhang
Sprunghöhekein signifikanter Zusammenhang
Erholungsherzfrequenzkein signifikanter Zusammenhang
Herzfrequenzvariabilitätkein signifikanter Zusammenhang

Fünf von sieben Massen zeigten keinen nachweisbaren Zusammenhang. Die beiden übrigen einen schwachen bis moderaten. Einschränkung: 10 Personen, Fussball, 17 Tage, und gemessen wurde die äussere Belastung als Hochgeschwindigkeitsdistanz — nicht ATL selbst. Der Befund trifft die Annahme hinter der Kurve, nicht die Kurve in ihrer konkreten Gestalt.

Ein zweiter Befund derselben Arbeit betrifft ATL unmittelbar: Längere Zeitfenster verbesserten die Empfindlichkeit nicht systematisch. Ein Sieben-Tage-Fenster ist damit nicht offensichtlich besser als der Vortag.

Und die Gegenrichtung, die dazugehört

Daraus folgt nicht, dass ein anderes verfügbares Mass die Ermüdung richtig erfassen würde. Ein breit rezipierter Überblick hält fest, dass für die wenigsten dieser Marker starke Belege existieren und bislang kein einziger definitiver Ermüdungsmarker beschrieben wurde.

Dass ATL keine Ermüdung misst, heisst nicht, dass ein anderes Mass es täte. Es gibt keinen Goldstandard, gegen den man die Kurve ausspielen könnte. Das gilt für das ganze Feld, nicht nur für diese Zahl.

ATL taugt nichts — es gibt bessere Masse, die Ermüdung richtig messen.

Ein konstruktiver Hinweis steht in derselben Übersicht: Nicht die Höhe einer Lastzahl deute auf Ermüdung hin, sondern das Auseinanderlaufen äusserer und innerer Belastungsgrössen. Bemerkenswerterweise rechnet Sumenia so etwas bereits — dazu Abschnitt 9.

5 · Was am Wettkampftag tatsächlich gemessen wurde

Wenn die Zahl «Form» heisst, ist die entscheidende Frage einfach: Sagt sie am Wettkampftag die Leistung vorher? Dazu gibt es eine Arbeit, die genau das geprüft hat.

21 Elite-Gewichtheber — ihre Bestleistungen lagen im Mittel bei 96,3 Prozent des Weltrekords —, acht Wochen vor der Olympia-Qualifikation, TSB mit drei verschiedenen Mittelungsverfahren berechnet:

Es fanden sich keine beständigen Zusammenhänge zwischen der Leistung und der Trainingsbelastung am Wettkampftag. Erfolgreiche und erfolglose Auftritte liessen sich am Wert nicht unterscheiden.

Ein negativer Wert bedeutet, dass du am Wettkampftag schlecht abschneidest.

Einschränkungen: 21 Personen, Gewichtheben und nicht Ausdauersport, die innere Belastung kam aus einer Anstrengungsbewertung statt aus dem Puls, und es war ein einziger Wettkampf. Ein negativer Befund an einer kleinen Stichprobe widerlegt nichts endgültig — er trägt aber auch die verbreitete Behauptung nicht.

Was dieselbe Arbeit dagegen fand

Und hier gehört die andere Hälfte dazu, denn die Arbeit fand durchaus etwas — nur nicht das Erwartete. Nicht der Wert, sondern seine Schwankung hing mit der Leistung zusammen: Die Schwankungsbreite in den letzten drei Wochen war bei erfolgreichen Athleten niedriger. Die Zusammenhänge lagen bei r = −0,41 bis 0,48.

Zwei Einschränkungen, ohne die dieser Befund nicht zitiert werden darf. Erstens galt er nur beim einfachen gleitenden Mittel — nicht bei den exponentiell gewichteten Verfahren, auf denen ATL, CTL und TSB beruhen. Zweitens lagen die p-Werte teilweise bei 0,07, also über der üblichen Grenze. Daraus folgt keine Handlungsregel.

Halte deine Frische in den letzten 21 Tagen vor dem Wettkampf stabil.

Und ein dritter Befund derselben Arbeit richtet sich gegen die Bauart selbst: Das einfache gleitende Mittel erklärte die Leistung der Gewichtheber besser als die exponentiell gewichteten Verfahren. Das ist ein Befund, kein Urteil — eine Arbeit, eine Sportart, ein Wettkampf.

Und die Zielbereiche?

Verbreitet sind Faustzahlen dafür, in welchem Bereich die «Form» am Wettkampftag liegen sollte. Es wurde keine peer-reviewte Arbeit gefunden, die solche Bereiche prüft. Sie sind Coaching-Konvention — was sie nicht wertlos macht, aber sie sind keine physiologische Validierung.

Der optimale Bereich für einen Wettkampf liegt zwischen 5 und 25.

6 · Der Fall, der alles zeigt: drei Wochen Pause

Es gibt ein Rechenbeispiel, das die Frage schneller beantwortet als jede Studie. 120 Tage gleichmässiges Training, dann drei Wochen gar nichts:

ZeitpunktCTLATLTSB
letzter Trainingstag56,660,0−3,5
nach 1 Woche Pause47,922,1+23,6
nach 2 Wochen40,58,1+32,1
nach 3 Wochen34,33,0+31,7

Die «Frische» steigt auf über +30, während die «Fitness» um rund 40 Prozent fällt. Der Wert, der Bereitschaft signalisieren soll, steht hier am höchsten — nach drei Wochen Nichtstun.

Die Pause öffnet den Abstand. letzter Trainingstag langes Gedächtnis kurzes Gedächtnis 1 23,6 2 32,1 3 31,7 Wochen ohne Training Der Abstand wächst, während das lange Gedächtnis fällt. Er ist am grössten, wenn am längsten nichts passiert ist. Nachgerechnet mit derselben Formel wie im Produkt, keiner Person zugeordnet.

Die Pause öffnet den Abstand — nicht, weil etwas besser wird. Die kurze Kurve fällt schnell, die lange langsam. Genau das erzeugt einen hohen positiven Wert. Nachgerechnet, nicht gemessen, und keiner Person zugeordnet.

Ein hoher positiver Wert heisst nur: Du hast zuletzt weniger trainiert als in den Wochen davor. Nichts weiter.

Das ist keine Fehlfunktion der Rechnung — es ist genau das, was sie tut. Der Fehler entsteht erst bei der Übersetzung in Wörter wie «ausgeruht» oder «bereit».

Ein Wert über +30 zeigt, dass du besonders erholt und bereit für einen harten Reiz bist.

Drei weitere Fälle, in denen die Zahl täuscht

Erstens: derselbe Wert, völlig andere Lage. Diese drei Athleten haben alle dieselbe «Frische» von +15:

CTLATLTSB
8065+15
4025+15
205+15

Ein Differenzwert kennt seine Bestandteile nicht. Deshalb lässt sich die Zahl auch nicht zwischen zwei Menschen vergleichen — sie sagt nur etwas über deinen eigenen Verlauf.

Zwei Sportler mit derselben Frische sind gleich weit.

Zweitens: gleiches aktuelles Training, verschiedene Vorgeschichte. Zwei Athleten trainieren gerade dasselbe — eine Woche mit je 30 Punkten pro Tag. Der eine kommt aus 120 Tagen mit 60, der andere aus 120 Tagen mit 15:

VorgeschichteCTLATLTSB
120 Tage à 6052,541,0+10,3
120 Tage à 1516,624,5−7,4

Dasselbe Training heute, entgegengesetzte Vorzeichen. Der Wert beschreibt eine Veränderung gegenüber der eigenen Vergangenheit — nicht einen Zustand.

Drittens: die ersten Monate. Wer neu anfängt, startet in der Rechnung bei null. Und weil die lange Kurve viel langsamer steigt als die kurze, steht die Differenz monatelang tief im Minus:

TagCTLATLTSB
79,237,9−26,6
4237,959,9−22,4
8451,960,0−8,3
18059,260,0−0,8

Diese Anfangswerte sind ein Rechenartefakt, keine Ermüdung. Sie entstehen, weil die Rechnung bei null startet und die lange Kurve langsamer aufholt als die kurze. Wer in den ersten Monaten stark negative Werte sieht, sieht die Startbedingung — nicht seinen Körper.

Am Anfang ist der Wert negativ, weil man als Einsteiger noch nicht belastbar ist.

Alle Zahlen dieses Abschnitts sind nachgerechnet, nicht gemessen — eingesetzt in dieselbe Rekurrenz, die auch im Produkt steht. Sie gehören zu keiner Person.

7 · Zwei Zahlen, die die «Form» bestimmen

Bleibt die Frage, wie sehr die beiden Konventionen aus Abschnitt 2 überhaupt ins Gewicht fallen. Die Antwort lässt sich vorrechnen. Derselbe Trainingsverlauf, drei verschiedene Parameterwahlen:

ZeitkonstantenCTLATLTSB
42 / 7 — die Konvention54,543,1+8,7
35 / 556,036,3+17,2
50 / 1052,449,3+0,7

Identische Trainingsdaten. Eine «Form» von +0,7 bis +17,2 — allein durch die Wahl zweier Zahlen, für die keine physiologische Begründung gefunden wurde.

Das ist auch der Grund, warum ein fester Zielbereich schwierig ist: Er hinge an Konstanten, die niemand für dich bestimmt hat.

Und ist das nun das Fitness-Fatigue-Modell?

Die Bauart stammt erkennbar von dort: zwei unterschiedlich schnell abklingende Antworten auf denselben Trainingsreiz, und die Leistung entsteht als ihre Differenz. Diese Modellfamilie ist peer-reviewt. Aber die Kennzahlen vereinfachen sie an drei Stellen:

Im UrsprungsmodellIn der Kennzahl
Beide Anteile werden gewichtet, mit individuell geschätzten Faktoren Beide Gewichte sind fest auf 1 gesetzt. Für diese Vereinfachung wurde keine Begründung gefunden.
Die Parameter werden für jede Person einzeln geschätzt Alle bekommen dieselben — 42 und 7.
Das Modell wird an gemessene Leistung angepasst Es wird nichts angepasst. Es wird gerechnet.

Zulässig ist: Die Kennzahl ist strukturell an ein peer-reviewtes Modell angelehnt und vereinfacht es an drei Stellen. Nicht zulässig ist: sie mit dem Modell gleichzusetzen.

TSB ist das Fitness-Fatigue-Modell von Banister.

8 · Was die Differenz von der Belastungszahl erbt

Beide Kurven entstehen aus einer Zahl, die selbst schon gerechnet ist — der Belastungszahl je Trainingstag. Und die hängt an einem persönlichen Schwellenwert, der danebenliegen kann. Was passiert damit in der Differenz?

Die naheliegende Vermutung ist beruhigend: Wenn beide Kurven denselben Fehler haben, kürzt er sich beim Abziehen heraus. Das stimmt nur für eine von zwei Fehlerarten — und ausgerechnet für die unwichtigere.

Fall 1 · Der Schwellenfehler — er überlebt vollständig

Ein falscher Schwellenwert verändert nicht einen Tag um einen Betrag, sondern jeden Tag um denselben Faktor. Und ein Faktor lässt sich aus der Differenz ausklammern:

Faktor × CTL − Faktor × ATL = Faktor × (CTL − ATL) = Faktor × TSB
Der Fehler kürzt sich nicht heraus. Er skaliert die Differenz mit.

Vorgerechnet mit einer um 10 Prozent zu hoch angesetzten Schwelle — der Faktor ist dann 0,826:

Mit richtigem AnkerMit zu hohem Anker
CTL 60 · ATL 45 · TSB +15,0CTL 49,6 · ATL 37,2 · TSB +12,4
CTL 60 · ATL 75 · TSB −15,0CTL 49,6 · ATL 61,9 · TSB −12,4

Das Vorzeichen bleibt, der Betrag nicht. Wer den Wert gegen feste Bereiche hält, hält ihn gegen einen Massstab, der bei jedem anders skaliert ist.

Ein falscher Schwellenwert kürzt sich in der Differenz heraus.

Fall 2 · Eine gleichbleibende Verschiebung — sie verschwindet, aber langsam

Wird dagegen jeder Tag um denselben Betrag verschoben, kürzt sich der Fehler tatsächlich heraus. Nur dauert es:

Nach … TagenBeitrag zur Differenz
1−1,10
7−4,79
15−5,83 — das Maximum
42−3,65
84−1,35
200−0,09

Ein solcher Dauerfehler verschwindet in der Differenz — aber er wirkt monatelang, mit einem Maximum um Tag 15.

Die Antwort in einem Satz: Die Differenz verbirgt genau eine Fehlerklasse — gleichbleibende Verschiebungen, und auch die erst nach Monaten. Der wichtigste Fehler, der falsche Schwellenwert, überlebt die Subtraktion vollständig. Woher dieser Fehler kommt und wie gross er wird, steht in einem eigenen Artikel.

TSS verstehen →

Ein zweiter Punkt, der leicht übersehen wird

Weil beide Kurven aus derselben Zahlenreihe stammen, hängen sie eng zusammen. Ihre Differenz schwankt deshalb systematisch weniger als jede der beiden für sich — und wirkt dadurch ruhiger, als die Eingangsdaten es rechtfertigen.

Weil die Frische so ruhig verläuft, ist sie die verlässlichste der drei Zahlen.

9 · Was Sumenia tatsächlich rechnet

Sechs Dinge über die Rechnung im Produkt — jedes davon steht so im Code:

WasWie
Die Zeitkonstanten 42 und 7, fest für alle. Die verbreitete Konvention.
Die Eingangsgrösse Die pulsbasierte Belastungszahl der Einheit — nicht die leistungsbasierte. Was das bedeutet, steht im TSS-Artikel.
Der Start Beide Kurven beginnen bei null. Daher die negativen Anfangswerte aus Abschnitt 6.
Die Differenz Aus dem Vortag, nicht aus heute — eine übernommene Konvention, die im Produkt auch so erklärt wird.
Das Ende der Kurve Bis heute, nicht bis zum letzten Trainingstag. Ruhetage lassen die kurze Kurve abklingen.
Fehlende Tage Zählen als Tage ohne Last.

Zwei davon verdienen eine Einordnung. Dass die Differenz aus dem Vortag stammt, heisst: Sie ist nicht einfach die heutige Fitness minus die heutige Ermüdung. Und dass die Kurve bis heute läuft, ist eine bewusste Entscheidung — eine Kurve, die am letzten Trainingstag stehenbleibt, friert dich im Moment deiner grössten angesammelten Last ein.

Im Produkt tragen die drei Kurven die Namen «Fitness», «Ermüdung» und «Frische». Das sind Modellnamen, keine Körperzustände — genau die Unterscheidung, um die es in diesem Artikel geht. Wer die Kurven so liest, wie sie gerechnet sind, liest sie richtig.

Sumenia misst deine Frische und sagt dir, wie erholt du bist.

Und eine Sache, die bereits existiert

Aus Abschnitt 4 blieb ein Hinweis offen: Nicht die Höhe einer Lastzahl deutet auf Ermüdung, sondern das Auseinanderlaufen äusserer und innerer Grössen. Sumenia rechnet genau so eine Grösse bereits — die Entkopplung von Tempo und Puls innerhalb einer Einheit. Ob sie das bessere Ermüdungsmass wäre, ist offen: Eine Validierung dafür wurde nicht gefunden. Der Hinweis stammt aus einer Übersicht, nicht aus einer Prüfung.

10 · Wofür die Zahl taugt

Nach neun Abschnitten voller Einschränkungen die Gegenfrage: Wozu dann überhaupt hinsehen?

Die ehrliche Antwort ist bescheidener als «Form» — und trotzdem brauchbar. Was der Abstand zuverlässig kann, kann er weil er eine Rechnung ist, nicht obwohl:

Der Abstand zeigt …… weil
Ob du gerade mehr oder weniger tust als sonst Genau das ist seine Definition — und diese Auskunft ist exakt, nicht geschätzt.
Wann eine Belastungsphase begonnen hat Der Wert kippt ins Minus, sobald die letzten Tage über dem Wochenniveau liegen. Das sieht man früher als in der langen Kurve allein.
Wie stark eine Pause bereits wirkt Die kurze Kurve klingt sichtbar ab. Dass gleichzeitig die lange fällt, steht daneben — beide zusammen sagen mehr als eine allein.
Ein Muster über Monate Innerhalb derselben Skala, derselben Sportart und desselben Ankers ist dein eigener Verlauf aussagekräftig.

Die Regel dahinter: Lies die drei Kurven zusammen, nicht die Differenz allein. Genau das zeigt der Pausenfall aus Abschnitt 6 — der Abstand allein hätte dort das Gegenteil nahegelegt.

Und ein vorsichtiger Hinweis aus der Forschung, der zu dieser Leseweise passt: In der Gewichtheber-Arbeit war nicht der Wert bedeutsam, sondern seine Schwankung über drei Wochen. Das ist ein Teilbefund mit engen Grenzen — eine Beobachtung an 21 Personen, nur bei einem der geprüften Rechenverfahren. Eine Handlungsregel ist es nicht.

11 · Was die Zahl nicht wissen kann

In die Rechnung gehen genau zwei Dinge ein: deine Tageslasten und zwei Zeitkonstanten. Alles andere fehlt — nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil es nie erhoben wurde.

TSB misst, wie erholt du bist.

TSB sagt vorher, wie du morgen laufen wirst.

TSB zeigt dein Verletzungs- oder Überlastungsrisiko.

Für die erste und die dritte dieser Aussagen wurde keine Untersuchung gefunden, die sie prüft. Für die zweite gibt es eine — und sie fand am Wettkampftag keinen beständigen Zusammenhang.

Zwei Ebenen — keine Rangfolge. Was der Abstand zeigt ob die letzten Tage über oder unter dem Niveau der letzten Wochen lagen wann eine Belastungsphase begann wie stark eine Pause schon wirkt Was er nicht zeigt wie erholt du bist wie du morgen laufen wirst ob du dich gerade überlastest wie es dir heute geht Links stehen Aussagen über die Rechnung, rechts Aussagen über den Körper. Die linke Spalte ist exakt. Für die rechte wurden keine Belege gefunden. Beide Spalten sind gleich wichtig — sie beschreiben verschiedene Ebenen.

Links Aussagen über die Rechnung, rechts Aussagen über den Körper. Die linke Spalte ist exakt. Für die rechte wurden keine Belege gefunden. Der Unterschied zwischen beiden ist der ganze Artikel.

Ein Punkt gehört ausdrücklich dazu: Diese Zahlen sind Modellgrössen, keine Diagnose. Sie ersetzen kein ärztliches Urteil und stellen keines.

Und was für die Gruppe gilt, gilt nicht für dich

Alle genannten Zusammenhänge stammen aus Beobachtungen an Gruppen — 10 Fussballer, 21 Gewichtheber, 13 Basketballerinnen. Ein Gruppenmittel ist keine Individualregel. Für die zugrunde liegende Belastungszahl ist gemessen, wie weit das auseinandergehen kann: Auf Gruppenebene lag ein Zusammenhang bei r = 0,81 bis 0,85, auf der Ebene der einzelnen Person zwischen r = 0,48 und r = 0,99.

Weil der Zusammenhang über viele Menschen hinweg gilt, gilt er auch bei dir.

12 · Was offen bleibt

Ein ehrlicher Artikel nennt auch, was er nicht beantworten kann:

ATL und TSB haben keine wissenschaftliche Grundlage.

Das wäre der falsche Schluss, und er ist ausdrücklich nicht gemeint. Eine fehlende Definitionsarbeit ist etwas anderes als eine fehlende Prüfung. Die Modellfamilie ist peer-reviewt, und zur Anwendung von Belastungsmassen existiert Literatur — ein Teil davon steht in diesem Artikel. Gesucht wurde ausserdem nur in Fachdatenbanken, nicht in Büchern, Handbüchern oder Firmenunterlagen, und genau dort ist die Definition zu vermuten.

Nicht gefunden heisst nicht nicht vorhanden. Und «nicht belegt» heisst nicht «widerlegt».

13 · DATA → CONTEXT → UNDERSTANDING

01 · Data

Was dasteht

+18

Eine Zahl auf der Formkurve.

02 · Context

Was danebensteht

wie hoch stehen die beiden Kurven, aus denen der Abstand entsteht? steigt die lange Kurve gerade, oder fällt sie? trainierst du seit Monaten, oder erst seit ein paar Wochen? und: verglichen womit — mit deinem letzten Monat, oder mit einer Zahl von aussen?

Die erste Frage kann der Abstand selbst nicht mehr beantworten.

03 · Understanding

Was jetzt gesagt werden kann

Deine letzten Tage lagen deutlich unter dem Niveau deiner letzten Wochen. Ob das Erholung war oder ein Formverlust, entscheidet die lange Kurve daneben — und wie es dir geht, steht in keiner der beiden.

14 · Was dieser Artikel ausdrücklich nicht ist

Er erklärt Sportwissenschaft. Er gibt keine medizinischen Empfehlungen, keine Diagnose und keine persönliche Trainingsanweisung.

Er nennt keinen Zielbereich, keine sichere Grenze und keine Zahl, an der du dich ausrichten solltest — für all das fehlt die wissenschaftliche Grundlage. Wer Vorerkrankungen hat, längere Zeit nicht trainiert hat oder bei Belastung Beschwerden bemerkt — Brustschmerz, Atemnot, Schwindel, Herzstolpern —, klärt das vorher ärztlich ab.

Das gilt besonders, wenn solche Beschwerden neu sind oder sich verstärken.

15 · Was ATL und TSB nicht bedeuten

Nicht gestützt «ATL ist deine Ermüdung.»

ATL ist ein schneller gewichteter Mittelwert deiner Tageslast — dieselbe Rechnung wie die Fitnesskurve, nur mit einer anderen Zeitkonstante. Es fliesst kein Ermüdungsmesswert ein.

Nicht gestützt «TSB ist deine Form.»

TSB ist der Abstand zwischen zwei gerechneten Kurven. Er zeigt, ob die letzten Tage über oder unter dem Niveau der letzten Wochen lagen — mehr nicht.

Nicht gestützt «Ein positiver Wert heisst, dass du wettkampfbereit bist.»

Nach drei Wochen Nichtstun steht er am höchsten, während die Fitnesskurve um rund 40 Prozent gefallen ist. Bereitschaft wird dabei nicht gemessen.

Nicht gestützt «Ein negativer Wert heisst, dass du schlecht abschneiden wirst.»

Bei 21 Elite-Gewichthebern liess sich die Leistung am Wettkampftag daran nicht ablesen. Und in den ersten Monaten ist der Wert ohnehin negativ, weil die Rechnung bei null startet.

Nicht gestützt «Der optimale Bereich für einen Wettkampf ist X bis Y.»

Für solche Bereiche wurde keine peer-reviewte Grundlage gefunden. Sie sind Coaching-Konvention — und sie hingen an zwei Zeitkonstanten, die niemand für dich bestimmt hat.

Widerlegt «Die 7 und die 42 Tage entsprechen der Erholungs- und der Anpassungsdauer.»

Für beide Zahlen wurde keine empirische Ableitung gefunden. Sie sind Konventionen — verbreitet und praktisch, aber nicht physiologisch hergeleitet.

Nicht gestützt «TSB zeigt dein Verletzungs- oder Überlastungsrisiko.»

Dafür wurde keine Evidenz gefunden. Für ein verwandtes Belastungsverhältnis ist der Anspruch in der Fachliteratur ausdrücklich bestritten worden.

Widerlegt «Ein falscher Schwellenwert kürzt sich in der Differenz heraus.»

Er wirkt als Faktor auf beide Kurven und lässt sich deshalb aus der Differenz ausklammern — er skaliert TSB mit. Nur gleichbleibende Verschiebungen kürzen sich heraus, und die erst nach Monaten.

Stimmt so nicht «Die Frische ist die verlässlichste der drei Zahlen, weil sie am ruhigsten verläuft.»

Sie verläuft ruhiger, weil sie die Differenz zweier eng zusammenhängender Grössen ist. Das macht sie nicht genauer — nur glatter.

Widerlegt «TSB ist das Fitness-Fatigue-Modell.»

Strukturell angelehnt, aber an drei Stellen vereinfacht: feste Gewichte, feste Konstanten für alle, keine Anpassung an gemessene Leistung.

Nicht gestützt «Am Anfang ist der Wert negativ, weil man als Einsteiger noch nicht belastbar ist.»

Er ist negativ, weil beide Kurven bei null starten und die langsame Monate braucht, um aufzuholen. Ein Rechenartefakt, keine Aussage über dich.

Stimmt so nicht «ATL und TSB haben keine wissenschaftliche Grundlage.»

Die Modellfamilie dahinter ist peer-reviewt. Eine Originaldefinition der benannten Kennzahlen wurde nicht gefunden — das sind zwei verschiedene Dinge.

16 · Was bleibt

Drei Linien auf einem Bildschirm, und nur eine Zahlenreihe dahinter. Die schnelle Kurve und die langsame sind dieselbe Rechnung mit zwei verschiedenen Gedächtnissen; die dritte Linie ist ihr Abstand. Kein Messgerät war beteiligt.

Das macht die Zahl nicht wertlos. Sie sagt exakt, ob du gerade mehr oder weniger tust als in den Wochen davor — und das ist eine brauchbare Auskunft, wenn man sie neben die beiden anderen Kurven hält.

TSB misst den Abstand zwischen deinen letzten Tagen und deinen letzten Wochen. Das ist eine nützliche Information — aber keine Aussage darüber, wie erholt du bist oder wie du morgen laufen wirst.

Wer das weiss, liest die Kurve anders: als Beschreibung dessen, was er zuletzt getan hat — und nicht als Auskunft darüber, wie es ihm damit geht.

Regeneration verstehen →

Trainingsbelastung verstehen →

Weiterlesen

Quellen

  1. Coyne, J. O. C., Newton, R. U., & Haff, G. G. (2020). Relationships Between Internal Training Load in a Taper With Elite Weightlifting Performance Calculated Using Different Moving Average Methods. International Journal of Sports Physiology and Performance, 16(3), 342–352. doi:10.1123/ijspp.2020-0002 — Beobachtungsstudie über 8 Wochen, 21 Elite-Gewichtheber. Quelle des Befunds zum Wettkampftag und des Teilbefunds zur Schwankung. Einschränkung: kein Ausdauersport, innere Last aus einer Anstrengungsbewertung statt aus dem Puls, ein einziger Wettkampf; p-Werte teils bei 0,07. Der Hauptbefund ist negativ und darf nicht als Beleg für die Kennzahl auftreten.
  2. Thorpe, R. T., Strudwick, A. J., Buchheit, M., Atkinson, G., Drust, B., & Gregson, W. (2017). The Influence of Changes in Acute Training Load on Daily Sensitivity of Morning-Measured Fatigue Variables in Elite Soccer Players. International Journal of Sports Physiology and Performance, 12(Suppl 2), S2107–S2113. doi:10.1123/ijspp.2016-0433 — Beobachtungsstudie über 17 Tage, 10 Profifussballer. Quelle der sieben Ermüdungsmasse. Einschränkung: n = 10, gemessen wurde die äussere Belastung als Hochgeschwindigkeitsdistanz — nicht ATL selbst.
  3. Halson, S. L. (2014). Monitoring training load to understand fatigue in athletes. Sports Medicine, 44(Suppl 2), S139–S147. doi:10.1007/s40279-014-0253-z — Narrative Übersicht. Quelle dafür, dass kein definitiver Ermüdungsmarker beschrieben ist, und des Hinweises auf das Auseinanderlaufen äusserer und innerer Grössen. Einschränkung: eine Übersicht ohne eigene Messung; die Aussage zum Auseinanderlaufen ist ein Hinweis, keine Validierung.
  4. Morton, R. H., Fitz-Clarke, J. R., & Banister, E. W. (1990). Modeling human performance in running. Journal of Applied Physiology, 69(3), 1171–1177. doi:10.1152/jappl.1990.69.3.1171 — Originalarbeit zur Modellfamilie. Quelle der Struktur: zwei gegenläufige Antwortfunktionen, deren Differenz die Leistung ergibt. Einschränkung: nicht ATL oder TSB — das Modell arbeitet mit individuell geschätzten Parametern und Gewichten.
  5. Vermeire, K., Ghijs, M., Bourgois, J. G., & Boone, J. (2022). The Fitness-Fatigue Model: What's in the Numbers? International Journal of Sports Physiology and Performance, 17(5), 810–813. doi:10.1123/ijspp.2021-0494 — Fachkommentar. Quelle der Position, dass von allgemeinen Konstanten abzuraten ist. Einschränkung: ein Kommentar, keine Messstudie.
  6. Busso, T., & Chalencon, S. (2023). Validity and Accuracy of Impulse-Response Models for Modeling and Predicting Training Effects on Performance. Medicine & Science in Sports & Exercise, 55(7), 1274–1285. doi:10.1249/MSS.0000000000003139 — Prospektive Studie über 61 Wochen, 11 Schwimmer. Für die Vorhersagegrenze der Modellfamilie herangezogen. Einschränkung: ein Sport, kleines n.
  7. Imbach, F., Perrey, S., Chailan, R., Meline, T., & Candau, R. (2022). Training load responses modelling and model generalisation in elite sports. Scientific Reports, 12(1), 1586. doi:10.1038/s41598-022-05392-8 — Prospektive Studie, 7 Eliteathleten. Zur Frage, wie gut solche Modelle über die angepassten Daten hinaus tragen. Einschränkung: sehr kleines n.
  8. Impellizzeri, F. M., Tenan, M. S., Kempton, T., Novak, A., & Coutts, A. J. (2020). Acute:Chronic Workload Ratio: Conceptual Issues and Fundamental Pitfalls. International Journal of Sports Physiology and Performance, 15(6), 907–913. doi:10.1123/ijspp.2019-0864 — Konzeptionelle Analyse. Als Beleg dafür herangezogen, dass ein verwandter Risikoanspruch fachlich bestritten wird. Einschränkung: betrifft das Belastungsverhältnis, nicht TSB — hier nur analog geführt.
  9. Passfield, L., Murias, J. M., Sacchetti, M., & Nicolò, A. (2022). Validity of the Training-Load Concept. International Journal of Sports Physiology and Performance, 17(4), 507–514. doi:10.1123/ijspp.2021-0536 — Fachposition. Zur allgemeinen Validierungslage von Belastungsmassen. Einschränkung: ein Perspektivartikel; in derselben Zeitschrift wurde ihm publiziert widersprochen.
  10. de Groot, S., Hoekstra, S. P., Grandjean Perrenod Comtesse, P., Kouwijzer, I., & Valent, L. J. (2018). Relationships between internal and external handcycle training load in people with spinal cord injury training for the handbikebattle. Journal of Rehabilitation Medicine, 50(3), 261–268. doi:10.2340/16501977-2316 — Beobachtungsstudie über 12 Wochen, 10 Personen mit Querschnittlähmung. Quelle des Unterschieds zwischen Gruppen- und Einzelebene. Einschränkung: n = 10, sehr spezielle Population.
  11. Sanders, D., Abt, G., Hesselink, M. K. C., Myers, T., & Akubat, I. (2017). Methods of Monitoring Training Load and Their Relationships to Changes in Fitness and Performance in Competitive Road Cyclists. International Journal of Sports Physiology and Performance, 12(5), 668–675. doi:10.1123/ijspp.2016-0454 — Beobachtungsstudie über 10 Wochen, 15 Radfahrer, männlich. Für die Einordnung, dass die Belastungssumme mit der Entwicklung zusammenhängt. Einschränkung: geprüft wurde die Belastungssumme, nicht ATL oder TSB.
  12. Bosquet, L., Montpetit, J., Arvisais, D., & Mujika, I. (2007). Effects of tapering on performance: a meta-analysis. Medicine & Science in Sports & Exercise, 39(8), 1358–1365. doi:10.1249/mss.0b013e31806010e0 — Meta-Analyse über 27 Studien. Zur Wirkung einer Belastungsreduktion vor dem Wettkampf. Einschränkung: geprüft wurde die Reduktion des Umfangs, nicht TSB.
  13. Coyne, J. O. C., Coutts, A. J., Newton, R. U., & Haff, G. G. (2021). Relationships Between Different Internal and External Training Load Variables and Elite International Women's Basketball Performance. International Journal of Sports Physiology and Performance, 16(6), 871–880. doi:10.1123/ijspp.2020-0495 — Beobachtungsstudie über 18 Wochen, 13 Basketballerinnen. Zweite Arbeit derselben Gruppe zur Frage, was mit der Leistung zusammenhängt. Einschränkung: der Endpunkt ist eine Trainerbewertung, kein objektives Ergebnis — und TSB war dort nicht die sensitivste Grösse.
  14. Coyne, J. O. C., Coutts, A. J., Newton, R. U., & Haff, G. G. (2022). The Current State of Subjective Training Load Monitoring: Follow-Up and Future Directions. Sports Medicine – Open, 8(1), 53. doi:10.1186/s40798-022-00433-y — Kommentar mit Beispieldatensätzen. Als Gegenstimme geführt: dieselbe Gruppe formuliert dort eine Modellinterpretation zugunsten der Kennzahl. Einschränkung: eine Modellinterpretation, keine Validierung.

Stand der fachlichen Durchsicht: 03.09.2026. Recherchiert über PubMed und Consensus, jede Quelle am Originalwerk verifiziert. Es wurde keine Coaching-, Marketing- oder Softwarequelle als physiologische Validierung verwendet. Ausdrücklich nicht gefunden wurde: eine peer-reviewte Originaldefinition von ATL oder TSB; eine empirische Ableitung der Zeitkonstanten 7 und 42; eine Begründung für die feste Gewichtung 1 zu 1; eine Validierung gegen ein Erholungs- oder Bereitschaftsmass; eine Arbeit zu Zielbereichen; eine Arbeit zum Verletzungsrisiko; geschlechtsgetrennte Auswertungen in den tragenden Arbeiten. Gesucht wurde in Fachdatenbanken — nicht in Büchern, Handbüchern, Firmenunterlagen oder Konferenzbänden, und dort ist die Definition zu vermuten.